Endlich eine gute Idee! – Gedanken zu den Bittagen
Ich bat Gott, mir meinen Stolz zu nehmen,
und Gott antwortete: „Nein.”
Er sagte, es sei nicht an ihm, ihn mir zu nehmen,
sondern an mir, ihn aufzugeben.
Ich bat Gott, mein behindertes Kind gesund zu machen,
und Gott antwortete: „Nein.”
Er sagte, seine Seele sei gesund,
sein Körper sei nur vorübergehend.
Ich bat Gott, mir Geduld zu geben,
und Gott antwortete: „Nein.”
Er sagte, Geduld sei ein Nebenprodukt von Leid.
Sie werde nicht gegeben, sondern erworben.
Ich bat Gott, mir Glück zu schenken,
und Gott antwortete: „Nein.”
Er sagte, er gebe Segen.
Doch das Glücklichsein liege ganz allein bei mir.
Ich bat Gott mir den Schmerz zu nehmen,
und Gott antwortete: „Nein.”
Er sagte, Leiden löse uns von weltlichen Dingen
und bringe uns näher zu ihm.
Ich bat Gott, meine Seele wachsen zu lassen,
und Gott antwortete: „Nein.”
Er sagte, ich müsse selbst wachsen,
doch er werde mich manchmal beschneiden, damit ich Frucht bringe.
Ich bat Gott, mir zu helfen, andere so zu lieben,
wie Er mich liebt.
Und Gott antwortete: „Endlich! Eine gute Idee.”
(unbekannter Autor)
Zwei Dinge werden hier angesprochen, und das eine ist wichtiger als das andere.
Erstens geht es um die „unerhörten“ Gebete. Wir bitten Gott um viele Dinge, und oft werden sie nicht erhört, oder zumindest kommt es uns so vor. Wir zweifeln, und er schweigt. Aber was ist, wenn genau dieses stille Schweigen die Antwort ist? Vielleicht gibt er uns scheinbar nicht das, worum wir bitten, sondern erwartet von uns, dass wir diese Krisen eigenständig erleben, durchstehen und uns durch sie hindurchkämpfen. Damit wir aus ihnen gestärkt, reifer und weiser hervorgehen können. Das bedeutet aber nicht, dass er nicht bei uns wäre, auch nicht in der schwersten Krise. Es bedeutet vielmehr, dass er uns zutraut, durch sie weitsichtigere und reifere Menschen zu werden.
Zweitens geht es um die Liebe. „Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe“ (Joh 15,12). Wie hat er uns geliebt? Wie sehr hat Jesus uns geliebt? Wir alle kennen die Antwort darauf, und doch verstehen wir nicht, warum. Wir werden wahrscheinlich nie begreifen, warum Gott nichts Besseres zu tun hat, als uns zu lieben. Und nicht nur irgendwie zu lieben, sondern bedingungslos und kostenlos. Denn nur echte Liebe ist kostenlos. Sie erwartet keine Gegenleistung (sonst wäre sie eine Dienstleistung!).
Gott liebt uns kostenlos. Und diese Liebe bleibt so oft unerwidert. Doch gerade die unerwiderte Liebe ist die schmerzhafteste und vielleicht gerade deshalb die echteste. Genau das müssen wir lernen: kostenlos zu lieben. Es ist nicht einfach. Es ist schwer und schmerzhaft, weil wir darauf sozialisiert sind, für unser Tun etwas zurückzubekommen, für jede Leistung eine Gegenleistung zu erwarten. Aber dann ist es keine Liebe mehr.
Darum schickte Gott uns das vollkommene Beispiel: Jesus Christus. An ihm sehen wir, wie echte, kostenlose Liebe aussieht. Vielleicht ist das sogar unsere wichtigste Aufgabe im Erdenleben. Wenn wir es nicht einmal versuchen, stehen wir eines Tages mit leeren Händen vor dem Torwächter.
Kostenlose Liebe. Das müssen wir von ihm lernen und dafür brauchen wir dringend seine Hilfe.
Gott, hilf mir, den anderen so zu lieben, wie du mich liebst.