Seminarausflug nach Altomünster – Missionierung, Klostergeschichte und Umgang mit geistlichem Erbe
Noch in der vergangenen Woche saßen einige von uns in Vorlesungen an der Universität und beschäftigten sich mit der Missionierung der Franken, Alemannen und Bajuwaren, während andere im Rahmen des Spiritualitätskurses der Gestalt der heiligen Birgitta von Schweden nachgingen. Was zunächst wie zwei unterschiedliche Themenblöcke klingt, fand schließlich im Rahmen unseres Ausfluges nach Altomünster eine eindrucksvolle Verbindung.
Der heilige Alto, ein iro-schottischer Wandermönch und Glaubensbote, wirkte hier als einer jener frühen Verkünder des Evangeliums, die zur Christianisierung des bayerischen Raumes beitrugen. Mit ihm verbindet sich der Ursprung des geistlichen Lebens vor Ort – und nicht zuletzt verweist auch der Ortsname „Altomünster“ auf sein Wirken.
Vor Ort angekommen, feierten wir zunächst gemeinsam die Heilige Messe. Im Anschluss daran erhielten wir im Rahmen einer Kirchenführung Einblick in die Entwicklung des Glaubenslebens vor Ort – von den Anfängen beim heiligen Alto bis hinein in die Gegenwart. Dabei wurde deutlich, wie sehr sich Geschichte und lebendige Tradition gegenseitig durchdringen. In diesem Zusammenhang wurde auch auf den bedeutenden Barockbaumeister Johann Michael Fischer eingegangen, der mit der Gestaltung der Klosterkirche das heutige Erscheinungsbild Altomünsters wesentlich geprägt hat.
Am Nachmittag rückte schließlich die zweite große Gestalt des Ortes in den Mittelpunkt: die heilige Birgitta von Schweden. Als Mitpatronin Europas – ein Titel, der ihr 1992 durch Papst Johannes Paul II. verliehen wurde – und als Gründerin eines geistlichen Ordens steht sie für eine erneuerte, zugleich tief verwurzelte Frömmigkeit. Das von ihrem Orden geprägte Kloster, das über Jahrhunderte das Leben in Altomünster bestimmte und den Ort bis heute architektonisch dominiert, wurde dabei nicht nur historisch betrachtet, sondern auch in seiner Bedeutung für die Gegenwart befragt. Insbesondere in Anbetracht der 2017 erfolgten Klosterauflösung und des Endes dieser langen geistlichen Tradition vor Ort.
Diese Situation verlieh den Gesprächen eine besondere Dringlichkeit, wenn es um die Frage ging, wie mit einem solchen geistlichen Erbe umzugehen ist und welche Formen einer zukünftigen Nutzung denkbar sind. Immer wieder stellte sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie mit aufgelassenen Klöstern umzugehen ist und wie ihr geistliches Erbe für die Zukunft bewahrt werden kann. Zwischen geschichtlichem Rückblick und aktuellen Herausforderungen wurde so deutlich, dass das Zeugnis des Glaubens immer neu Gestalt annehmen muss, um lebendig zu bleiben.
So verband diese Seminarfahrt auf eindrucksvolle Weise wissenschaftliche Reflexion, geistliche Erfahrung und geselligen Austausch.