Erstellt am 15. Januar 2026 von Tobias Biebl

Glaube und Vertrauen

Wir leben in einer Zeit, in der Versicherungsagenturen für alle Eventualitäten und Risiken des Lebens eine bestmögliche Absicherung anbieten. Dabei kommt mir die Frage auf, was denn wirklich im Leben Sicherheit, Halt und Trost gibt? Wie kann man ein erfülltes und glückliches Leben führen? Denn trotz aller Vorsorge bleibt das Leben unvorhersehbar. Krankheiten, Todesfälle, Unfälle oder plötzliche Veränderungen lassen sich nicht vollständig absichern – zumindest nicht auf der materiellen Ebene.

In solchen Momenten zeigt sich, auf welchem Fundament das Leben tatsächlich gegründet und aufgebaut ist. Worin bestehen mein Vertrauen und mein sicherer Halt, wenn alles um mich herum sprichwörtlich ins Wanken gerät? Für viele Menschen ist der Glaube an Jesus Christus eine Quelle tiefen Vertrauens. Nicht als abstrakte Idee, sondern als lebendige Beziehung zu einem Gott, der mich liebt, trägt, zuhört, tröstet, stärkt und begleitet – in jeder Lebenslage – gerade dann, wenn äußere Sicherheiten wegfallen.

Mir als Priesteramtskandidat schenken die tägliche Feier der Heiligen Messe, das Stundengebet, die eucharistische Anbetung und das Rosenkranzgebet, wodurch die alltäglichen Aufgaben und Tätigkeiten immer wieder sinnvoll unterbrochen werden, die notwendige Ruhe und innere Einkehr. Das Beten der Psalmen bewirkt gerade in der anstrengenden Prüfungsphase festen Halt und Sicherheit. Denn Gott ist treu und ER lässt mich nicht fallen. Nachfolgend sind einige Psalmen aufgelistet, die dieses sichere Vertrauen auf Gottes Führung teils eindrücklich verdeutlichen:

Ps 56,5: Denn auf Gott vertraue ich, ich fürchte mich nicht.

Ps 62,7: Gott allein ist mein Fels und meine Rettung, meine Burg, ich werde nicht wanken.

Ps 91,7: Fallen auch tausend an deiner Seite, dir zur Rechten zehnmal tausend, so wird es dich nicht treffen.

Ps 23,1: Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.

Ein tiefes Gottvertrauen wächst in einem lebenslangen Prozess. Es entsteht, wenn man lernt, sich immer wieder bewusst Gott anzuvertrauen – mit allem, was das Leben bringt: Freude, Zweifel, Angst, Dankbarkeit. Der Glaube schenkt eine andere Perspektive, einen neuen Blick auf die Dinge und Geschehnisse. Jesus Christus bringt genau dann Hoffnung, wenn alles vergeblich scheint. ER schenkt inneren Frieden, wo äußerlich Unruhe und ein gewaltiger Sturm herrscht. Der katholische Glaube gibt Kraft, auch dann weiterzugehen, wenn es gerade sehr schwierig und mühsam ist. Denn Gott hat Pläne des Heils und nicht des Unheils. Gott, der Herr, will den Menschen eine Zukunft und Hoffnung geben (vgl. Jer 29,11).

In einer Welt, die oft auf Leistung, Absicherung und Selbstoptimierung ausgerichtet ist, erinnert der christliche Glaube daran, dass der wahre Wert des Lebens nicht im Äußeren liegt, sondern im Vertrauen auf eine tiefere Wirklichkeit. Diese innere Gewissheit gibt dem Leben Tiefe, Richtung und Sinn, der weit über das Sichtbare hinausweist.

Folglich ist der Glaube an Jesus Christus kein Rückzug aus der Realität, sondern eine Kraft, die hilft, das Leben mit offenerem Herzen zu gestalten – mit allen Höhen und Tiefen. Wer Gott und seinen Heilsplänen vertraut, lebt mutiger. Wer glaubt, bleibt nicht beim Sichtbaren stehen, sondern rechnet mit Gottes Gegenwart – gerade im Verborgenen und Unerwarteten. Dieses Vertrauen macht das Leben nicht nur tragfähig, sondern auch wirklich lebenswert. Der katholische Glaube schenkt eine Sicherheit, die keine Versicherung der Welt und auch kein krisenresistenter Arbeitsplatz bieten kann!