Erstellt am 18. Februar 2026 von Patrick Schwendinger

Wenn Fasten nach mehr schmeckt…

Das fröhliche Faschingstreiben hat ein Ende. Gestern wurde (von den Narren unter uns) Kehraus gefeiert. Nun hat das bunt-fröhliche Treiben ein Ende: die Verkleidungen werden wieder gewaschen und in die Schränke zurückgehängt, der Duft von süßen Krapfen verfliegt bis zum nächsten Fasching und nun beginnt die ernste Zeit. Die Zeit des Spaßes und der Ausgelassenheit hat scheinbar ein Ende. Wie soll es nun weitergehen? Nun liegt – auch im säkularen Kontext – eine Stimmung des Verzichts in der Luft: der Aschermittwoch gilt in Bayern nach wie vor als „stiller Tag“. Manch einer könnte sich fragen, warum wir nicht weitermachen und weiterfeiern wie bisher. Warum sollen wir auf unseren Spaß verzichten?

Doch meiner Meinung nach beginnt jetzt nicht eine „spaßlose“ Zeit, sondern vielmehr eine Zeit der Besinnung und der Umkehr, die sich von den äußeren Faktoren, die uns Freude bereiten, auf das Innere verlagern: beides gehört zusammen und alles hat seine Zeit.

Wir könnten sagen, jetzt beginnt die freudige Zeit der inneren Erwartung. Denn ich bin der Meinung, wir brauchen nicht nur Zeiten des Übermuts, der Überschwänglichkeit und Ausgelassenheit, sondern auch Zeiten der inneren Umkehr, der Ruhe und der Besinnung auf das Wesentliche im Leben. Genau dazu will uns die bevorstehende Fastenzeit einladen. Sie soll uns dahingehend begleiten, dass wir auf unser Leben blicken und vertieft schauen, wo wir uns näher auf Gott ausrichten können.

Hier gibt es freilich unterschiedliche Wege: je nach Lebenssituation und Möglichkeit finden wir unzählige Angebote, die Fastenzeit zu gestalten.

Ich persönlich möchte in diesem Jahr dazu einladen, neben den Grundpfeilern – Gebet, Andachten, Hl. Messe und Buße – einen Blick auf das Essen und Trinken zu werfen.

Es ist nun doch wieder einige Jahre her, da Corona unser Leben geprägt hat. Doch damals, wo es undenkbar war, einfach in einem guten Wirtshaus etwas essen zu gehen, habe ich für mich neu die Bedeutung von Essen und Trinken wahrgenommen.

Ich habe gemerkt, dass es Freude bereitet, sich zu überlegen, was man sich selbst kochen kann. Ich habe gemerkt, dass es Freude bereitet, sich an regionalen und saisonalen Produkten unserer Bäuerinnen und Bauern zu freuen. Ich habe gemerkt, dass es für eine innere Ausgeglichenheit sorgt, wenn man sich bewusst und ausgewogen ernährt. Ich habe gemerkt, dass ich dadurch gesund und gestärkt war.

Davon ausgehend möchte ich nun dazu ermutigen, sich in dieser Fastenzeit bewusst zu ernähren. Sich in dieser Fastenzeit bewusst Zeit für das Essen und Trinken zu nehmen. Sich in dieser Fastenzeit vor Augen zu führen, was für ein Geschenk uns Gott macht, indem er uns täglich sättigt mit dem Brot des Himmels und mit guten Lebensmitteln hier auf Erden. Denn ich habe die Erfahrung gemacht – vor allem auf Exerzitien – bewusstes Essen und Trinken hat sich auch im Gebet niedergeschlagen und mich innerlich freigemacht. Denn ich konnte in Dankbarkeit erkennen, welch ein Geschenk es doch ist Gottes Gaben zu empfangen und zu verkosten. Den Geschmack und den Geruch intensiv wahrzunehmen und nicht nur „hineinzuschaufeln“. Dies bewirkte bei mir eine innere Ruhe und Gelassenheit, sodass ich mich besser mit meiner Spiritualität beschäftigen konnte. Es ist daher sinnvoll, sich Zeit für das Essen und Trinken einzuplanen, sich Zeit für das Kochen der Speisen zu nehmen, sich beim Einkauf von regionalen und saisonalen Lebensmitteln inspirieren zu lassen und dann mit allen Sinnen die Speisen zu verkosten. Es muss dabei nicht immer die Sterneküche sein, sondern es beginnt beim Frühstück, wenn man den Duft von frisch gebackenem Brot wahrnimmt und der Duft von frisch gebrühtem Tee oder Kaffee den Raum durchdringt. Mein Kerngedanke hierbei (ich erinnere mich gerne an meinen alten Spiritual Dr. Andreas Schmidt): „verkosten“.

Einerseits verkosten wir die guten Gaben der Schöpfung, die Gott uns schenkt, und andererseits verkosten wir das Wort Gottes, das unsere Seele nährt. Aus dieser Haltung des bewussten Lebens, aus diesem Verkosten heraus empfehle ich, die Haltung des „Verkostens“ einzuüben und auch auf die Bibellektüre umzumünzen. Denn aus dieser Haltung des „Verkostens“ heraus können wir Leib und Seele nähren und stärken.

In dieser Haltung kommt zum Ausdruck, dass die Fastenzeit nicht nur ein bitterer Verzicht und Stimmungskiller ist. Vielmehr kann die Fastenzeit als „Faschingstreiben des Herzens“ gesehen werden, indem wir Nährendes für unser Herz verkosten.

Wie es der Kehrvers im GL 212 auf den Punkt bringt: „Kostet, kostet und seht: Gut ist der Herr.“