Sie beobachteten ihn genau – Abt Johannes Eckert zu Gast
Abt Johannes Eckert aus der Benediktinerabtei St. Bonifaz kam am vergangenen Freitag zur Kommunitätsmesse zu Besuch und gab in seiner Predigt einen prägnanten Impuls zum Evangelium des Tages.
In geistlichen Kommunitäten, Priesterseminaren wie Klöstern, ist – so Abt Johannes – bei den allermeisten Mitgliedern eine Gabe besonders gut ausgeprägt: die der Beobachtung. Seminaristen beobachten einander und ihre Ausbilder, Mönche beobachten ihre Äbte. Geht auch alles mit rechten Dingen zu? Die Einladung zum Essen, die Jesus in das Haus des Pharisäers erhält, folgt derselben Logik. „Da beobachtete man ihn genau“ (Lk 14,1), weiß das Lukasevangelium zu berichten.
Einander wahrzunehmen, einander zu beobachten, ist zunächst nichts schlechtes, im Gegenteil: Kommunikation und das Zusammenleben in einer Gemeinschaft leben von Aufmerksamkeit und Wachsamkeit. Entscheidend ist immer, welche Mitte diese Beobachtung hat, unter welchen Vorzeichen sie steht. Geht es um die Form, die Vorschriften, die Äußerlichkeiten? Jesus gibt ein Beispiel dafür, was für ihn wichtig ist: Er berührt den wassersüchtigen Mann und heilt ihn, obwohl Sabbat ist. Das Leben des Mannes steht für ihn im Zentrum. Abt Johannes ermutigt dazu, die Beobachtung immer auf das Eigentliche hin zu wenden und es mit der richtigen Pespektive zu versehen: auf Gott, auf das Leben hin zu schauen, und das eigene Handeln danach auszurichten, was wirklich der Botschaft des Evangeliums folgt, was Gott und den Menschen dient.
Im anschließenden Frühstück mit den Seminaristen blieb es glücklicherweise dann nicht beim Beobachten, sondern es entspann sich ein angeregtes Gespräch über Klosterleben und Priesterausbildung, über gemeinsame Freuden und Sorgen.