Die Sakramente – Heil-Mittel der Kirche
„Die Eucharistie ist meine Autobahn in den Himmel.“ Dieses Zitat des heiligen Carlo Acutis erfreut sich spätestens seit dessen Heiligsprechung großer Bekanntheit. Die Verehrung der heiligsten Eucharistie, welche mit jenem jungen Heiligen besonders verbunden ist, wirft folglich die Frage nach der Bedeutung der Sakramente im katholischen Leben allgemein auf.
Durch die Sakramente wird der unsichtbare Heilswillen Gottes in sinnenfälligen Zeichen sichtbar gemacht. Sie verweisen also nicht wiederum auf etwas anderes (wie ein Hinweisschild), sondern enthalten selbst das, was sie bezeichnen (wie eine Windhose den Wind, dessen Richtung sie zugleich anzeigt); dies wird Realsymbol genannt. Dadurch bewirken sie in ihrem Empfänger zugleich die Gnade. Ihr Zweck besteht in der Heiligung des Menschen.
Unter dem Begriff „sacramentum“ wurde in der Antike der Fahneneid der römischen Soldaten verstanden. Erst der lateinische Kirchenschriftsteller Tertullian (gest. 240 n. Chr.) übertrug ebendiesen auf die Taufe. Das Konzil von Trient (1545 – 1563) legte wiederum die Siebenzahl der Sakramente fest; somit untergliedern sie sich in die Initiations- (Taufe, Eucharistie, Firmung), Standes- (Ehe, Weihe) und Heilungssakramente (Buße, Krankensalbung). Auf diese Weise begleiten sie den Gläubigen sowohl auf den großen Stationen seines Lebens, als auch dessen Alltag hindurch.
Die wie auch immer geartete Würdigkeit des Priesters ist unerheblich für die Gültigkeit der Sakramentenspendung, denn die Sakramente wirken nicht etwa aufgrund der subjektiven Heiligkeit des Spenders oder des Empfängers, sondern kraft des objektiv vollzogenen Ritus durch die dazu Bevollmächtigten. Ihre Wirkung ist „ex opere operato“. Christus selbst ist nämlich der eigentliche Spender aller Sakramente durch sein ein für alle Mal vollbrachtes Heilswerk. Sehr wohl hängt es allerdings von der inneren Verfasstheit des Empfängers ab, inwiefern die sakramentale Gnade im eigenen Leben fruchtbar wird und Wurzeln schlagen kann.
Die Sakramente sind von Christus eingesetzt. Die Initiative zu ihrem Zustandekommen geht von Gott aus, was ihnen wiederum einen „character indelibilis“ (unauslöschlichen Charakter) verleiht, da eben Gott selbst durch sie handelt und sie deswegen niemals durch den Menschen aufgelöst werden können. Keineswegs handelt es sich bei der Sakramentenspendung um Magie, bei welcher Christus auf den Altar herab gezwungen würde. Indem die Wortformel über das geeignete Element gesprochen wird, kommt ein Sakrament zustande. Es wird also „ex vi verborum“ (durch die Kraft der Worte) bewirkt. So wird durch das Wort eine Realität gesetzt, wie schon bei der Schöpfung oder der Bundeszusage Gottes. Die Sakramente umspannen das gesamte Panorama der Heilsgeschichte: vom Heilsereignis Jesu Christi, über die Gegenwart im Leben der Gläubigen bis hin zum Ende der Zeiten. Sie vergegenwärtigen das geschichtliche Leiden Christi als Grund unserer Heiligung („signa rememorativa“), sie bewirken Gnade und Tugenden im Menschen als Form der Heiligung („signa demonstrativa“) und sie verweisen als Unterpfand des ewigen Lebens auf das Ziel unserer Heiligung („signa prognostica“).
Im Sakrament handelt Christus, die Quelle unserer Heiligung, an uns und vermittelt seine Gnade. Auf diese Weise ist Jesus Christus überall und zu allen Zeiten in seiner Kirche gegenwärtig und wirkt im Leben seiner Gläubigen. „Was deshalb an unserem Erlöser sichtbar war, ist in die Sakramente übergegangen“, lehrt der heilige Papst Leo der Große. Die Feier der heiligen Sakramente nimmt in der priesterlichen Existenz daher einen elementaren Platz ein. Der Priester spendet in seinem Dienst die Sakramente und assistiert bei deren Spendung (siehe Ehe), wodurch er die Gläubigen bei der Heiligung ihres Lebens unterstützt und ihnen dafür die Gnade Gottes wirksam vermittelt. Die Sakramentalität ist in das Wesen der Kirche derart fest eingeschrieben, dass diese auch als Grundsakrament bezeichnet wird.
Schließlich wird die Bedeutung der Sakramente für das christliche Leben klar, wenn deren Stellenwert für die Heiligen vor Augen geführt wird, die aus ihnen lebten und durch sie gestärkt wurden. Dies wird etwa in der berührenden Beschreibung der heiligen Erstkommunion durch die Kleine Therese (gest. 1897) bewusst: „Ach, wie süß war der erste Kuss Jesu für meine Seele! […] Es war ein Kuss aus Liebe, ich fühlte mich geliebt […]. Da gab es keine Wünsche, keine Kämpfe und keine Opfer. […] Allein Jesus blieb, Er war der Meister, der König.“