Die Logik des Rückgangs ist nicht unumkehrbar – Gespräch mit Dr. Joachim Hellemann
Stellenplan, Dekanatsreform, Leitungsmodelle, Immobilienstrategie – viele Stichworte zur praktischen Organisation der Seelsorge in unserer Erzdiözese spielen im Studienalltag eines Priesterseminars eher eine theoretische Rolle. Doch während der Zeit der Praktika in den Pfarreien werden sie auch für die Seminaristen deutlich konkreter; schließlich konfrontieren gerade die Praktika die Studenten mit der konkreten Situation der Seelsorge. Ganz wie von selbst stellt sich die Frage: Wie wird sich die Situation der Seelsorge in unserer Erzdiözese weiterentwickeln?
Für Dr. Joachim Hellemann, Leiter des Ressorts Personal im Erzbischöflichen Ordinariat, sind diese Themen das tägliche Brot. Bei einer Begegnung im Priesterseminar stellte sich Dr. Hellemann den Fragen der Seminaristen an die Erzdiözese, ihre Vision von Seelsorge und ihre Personalplanung. Umgekehrt legte auch Dr. Hellemann den Seminaristen seine Fragen vor: Was erwarten sie sich, welche Vorstellungen haben sie vom priesterlichen Dienst, was bringen sie mit?
Bei allen massiven Umbrüchen unserer Zeit bleiben die Kernaufgaben des Priesters dieselben: Die Vorbereitung und Feier der Sakramente, die Seelsorge an Einzelnen und in größeren Gruppen. Für die Veränderungen in Raum und Struktur gibt es nicht den einen Master-Plan, nach dem die ganze Erzdiözese umgestaltet wird; die Erfahrungen anderer Diözesen hierzu rät zur Vorsicht. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass Spielräume größer werden, um Erfahrungen zu Sammeln und Lösungen zu finden, die für die einzelnen Räume angemessen erscheinen. Entscheidend sind hier die Fähigkeiten der Priester, in größeren Rahmen zu denken und zu arbeiten. So wird der Anspruch gerade an die Priester größer, die Möglichkeiten zur Gestaltung werden damit aber auch reizvoller.
Der gemeinsame Abend macht deutlich: Die Zukunft wird herausfordernd werden, die Bestandsaufnahme ist nüchtern. Dennoch gelingt es Dr. Hellemann in aller Vorsicht, einen Weg zu zeichnen, wie auch die Zukunft nicht nur bewältigt, sondern auch gestaltet werden kann: Die „Logik des Rückgangs“ ist nicht unumkehrbar, wie etwa die Zahlen der Taufbewerber zeigen. So ermutigt Dr. Hellemann die Seminaristen, die Zeichen des Wachstums aufzugreifen und als Priester Zeugen des Glaubens in einer Kirche zu sein, die sich verändert, die sich aber auch neuen Herausforderungen stellt