Die Heiligen Drei Könige: Die ersten Pilger der Hoffnung
Am Dreikönigstag und am Wochenende davor sieht man sie überall: Kinder in kleinen Gruppen, mit Pappkronen, bunten Umhängen und einem Stern in der Hand. Sie ziehen von Haus zu Haus, singen ein Lied, sprechen einen Segen und schreiben ihn an die Türen, bevor sie weitergehen.
Diese Tradition des Sternsingens geht auf die Heiligen Drei Könige zurück. Gemeint sind damit die μάγοι ἀπὸ ἀνατολῶν, die Sterndeuter aus dem Osten, von denen das Evangelium nach Matthäus (Mt 2,1–12) berichtet. Sie stammen aus einem fernen Land und damit aus einem ganz anderen Kontext. Das Einzige, was sie haben, ist ein Stern. Und doch folgen sie ihm. Ohne zu wissen, wie lange der Weg dauern wird, wie beschwerlich er ist oder was sie genau am Ziel erwarten wird, brechen sie auf, auf eine Reise, die nach damaligen Maßstäben vermutlich Monate, wenn nicht Jahre gedauert hat.
In der Tradition schloss man aus den drei Gaben, Gold, Weihrauch und Myrrhe, auf die Zahl Drei und gab ihnen die Namen Caspar, Melchior und Balthasar. Diese Sterndeuter waren die ersten Menschen, die Jesus anbeteten. „Da fielen sie nieder und huldigten ihm“ (Mt 2,11). Sie nahmen dafür einen unbekannten Weg auf sich. Unterwegs sind sie unsicher, stellen Fragen und wenden sich sogar an König Herodes, um herauszufinden, wo der neugeborene König der Juden zu finden sei.
„Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle. Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben bei dem Propheten“ (Mt 2,4f.).
Fremde und scheinbar Unwissende sind es also, die Jesus Christus zuerst huldigen und ihm nahekommen. Sie lassen sich auf den Weg ein, während andere zwar Bescheid wissen, aber stehen bleiben. So werden die Sterndeuter zu den frühen Pilgern der Hoffnung – und damit auch zu Weggefährten für uns heute.
Auch wir als Seminargemeinschaft befinden uns auf einem Weg. Ein Weg, der nicht immer einfach ist und auf den Entscheidungen getroffen werden müssen. Doch auch wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns wie ein heller Stern Orientierung schenkt. Er zeigt uns den Weg und wir dürfen ihn mit vertrauen gehen.
Diese Hoffnung der Heiligen Drei Könige tragen auch heute die Sternsinger von Tür zu Tür. Auch wir im Seminar sind nach der gestrigen Vesper durch das Haus gezogen und haben um den Segen gebeten: für das Priesterseminar und für alle, die hier gehen ein und aus.