von Regens Dr. Wolfgang Lehner

Vergelt’s Gott! – Zum Abschied der Mallersdorfer Schwestern

Einen bewegenden Abschied haben wir von unseren Mallersdorfer Schwestern genommen: Sr. Christiane Westermaier, Sr. Maturina Lang und Sr. Dr. Irmingard Thalmeier sind ins Mutterhaus nach Mallersdorf zurückgekehrt. Da auch den Mallersdorfer Schwestern der Nachwuchs fehlt, musste die Konrgregation unsere Niederlassung im Münchener Priesterseminar aufgeben.

In seiner Abschiedsansprache dankte Reinhard Kardinal Marx, der auch der Vesper vorgestanden hatte, den Mallersdorfer Schwestern für vielerlei Dienste im Münchener Priesterseminar, das als „seminarium“ die Aufgabe hat, gereifte Persönlichkeiten als Priester heranzubilden. Besonders hob er dabei das „weibliche Element“ hervor, das die Schwestern in eine ansonsten von Männern dominierte Gemeinschaft ganz wesentlich mit eingebracht haben.

 

Generaloberin Sr. Jakobe Schmid, die zusammen mit Generalvikarin Sr. Melanie Gollwitzer eigens von Mallersdorf angereist war, betonte, wie wichtig den Schwestern vor allem die geistliche Dimension des Lebens mit der Hausgemeinschaft und des gemeinsamen Gebetes war. Sie versprach, auch von Mallersdorf aus weiterhin die Gebetsanliegen der Münchener Seminargemeinschaft mitzutragen.

 

Regens Wolfgang Lehner blickte in seiner Ansprache in die Historie der Mallersdorfer Schwestern am Münchener Priesterseminar zurück. Seit 1892 waren ununterbrochen Mallersdorfer Schwestern in der Priesterausbildung der Erzdiözese München und Freising tätig, zunächst am Freisinger Domberg, seit 1983 hier in der Georgenstraße. Gewandelt haben sich seit dieser Zeit die Aufgaben der Schwestern: Waren Ende des 19. Jahrhunderts die etwa 15 bis 20 Schwestern im Haushalt beschäftigt, so haben sie im Lauf der Zeit Büroarbeiten, aber auch solche Tätigkeiten übernommen, die auch für Schwestern im Ruhestand gut möglich waren  – entsprechend der Nachwuchszahlen sind auch die Konvente kleiner geworden, so dass bei uns zuletzt drei Schwestern im Haus waren. Sr. Christiane war als Oberin für den Blumenschmuck und die Kirchenwäsche zuständig, Sr. Maturina pflegte die Bibliothek und ihre Benutzer, Sr. Irmingard war schließlich an der Pforte Ansprechpartnerin für viele, die kamen und gingen.

 

Für die Seminaristen besonders eindrucksvoll war das – in heutiger Zeit eher ungewöhnliche – Lebenszeugnis der Treue, das die Schwestern mit eingebracht hatten. Senior Christian Ulbrich betonte in seinen Abschiedsworten, wie die Mallersdorfer Schwestern auf diese Weise einer Generation Vorbild sein können, die sich mit Entscheidungen schwer tut und einmal gefasste Entscheidungen relativ rasch wieder revidiert.

 

Eine ganz eigene Dynamik brachten die Videoeinspielungen in den Abend, teils ernsthaft, teils von bester Comedy geprägt: Abschiedsworte von Priestern aus der ganzen Diözese, Grüße aus der Mitarbeiterschaft und Videosketche der Seminaristen, die sich liebevoll mit den sehr menschlichen Seiten unserer Schwestern beschäftigten. So verlief der Abend, zu dem auch die Küche ihr Bestes beigetragen hat, in einem gelungenen Mix aus Ernsthaftigeit, aus Wehmut und Dank, aber auch aus manchem Lachen, das über die Traurigkeit des Anlasses ein wenig hinweghalf.

 

Auch wenn sie nicht mehr bei uns sind, werden wir unsere Schwestern nicht vergessen, sondern im Gebet dankbar mit ihnen verbunden bleiben. Auch an dieser Stelle sei ihnen ein herzliches „Vergelt’s Gott“ gesagt.