von Daniel Walter

Odyssee durch Norditalien – Seminarfahrt vom 14. bis zum 20. September

Oft lohnt es sich, einen Blick in die Fremde zu wagen. Aus diesem Grund macht das Münchner Priesterseminar alle zwei Jahre eine Seminarreise in eine andere Ecke Europas. Dieses Jahr machten sich 13 Seminaristen samt der Hausleitung auf zu einer siebentägigen Odyssee durch Norditalien. Und so brachen wir am 14.09.2020 in der Frühe des Tages vom Münchner Seminar zu unserem Abenteuer auf.

Man könnte natürlich jetzt denken, dass ein Priesterseminar nur die heiligsten Orte besucht. Doch weit gefehlt. Unser Weg führte uns zum Drehort der großen Filmikone über den Pfarrer Don Camillo und seiner Hassliebe zum kommunistischen Bürgermeister Peppone. Da der Film im Seminar oft zitiert wurde, sahen wir uns also in Brescello um. Neben dem Don-Camillo-Museum besuchten wir den Marienschrein am Ortsrand, welcher seinen großen Auftritt in „Hochwürden Don Camillo“ hatte. Am nächsten Morgen kam uns die Ehre zuteil, unseren Gottesdienst in der aus den Filmen bekannten Kirche zu feiern. Von dort machten wir uns auf zu unserem nächsten Ziel.

Nach einigen Nickerchen, zahllosen Liedern, mit denen die Schlafenden gestört wurden, und der Erkenntnis, dass die italienischen Straßen scheinbar größtenteils aus Kreisverkehr zu bestehen schienen, kamen wir in der weitaus größeren Stadt Ravenna an. Nach ersten Erkundungsversuchen bekamen wir einen kurzen Einblick in die Geschichte Ravennas. Das Bild der Stadt und insbesondere der Kirchen wurde in der Geschichte geprägt durch den Streit zwischen den Katholiken und den Arianern, welche die Göttlichkeit Jesu abstritten, als auch dem starken byzantinischen Einfluss auf die Stadt. Ältere Kirchen sind somit hier in Besitz von großen Mosaiken, welche aufgrund ihrer Zerstörung während des Bilderstreits ansonsten recht selten geworden sind. Nach der Einführung besichtigten wir die Basilika Sant‘Apollinare Nuovo, welche an den Seiten ein wunderschönes Mosaik einer langen Prozession samt Heiligen und Szenen aus dem Leben Jesu hatte. Unser nächstes Ziel war das Baptisterium der Kathedrale von Ravenna. Davor machten wir aber einen kleinen Abstecher zum Grab des Dichters Dante Alighieri, welcher bekannt ist für sein Werk „Göttliche Komödie“. Auch das Baptisterium als auch die Erzbischöfliche Kapelle, welche wir ebenso besuchten, zeigte uns die Schönheit der Mosaike. Am nächsten Tag machten wir uns auf zur Kirche San Vitale, in der wir wohl die herrlichste Mosaikarbeit unter einem auf der Weltkugel thronenden Christus inmitten unterschiedlichster Heiligen und biblischen Szenen bestaunten. Genauso beeindruckend war auch das Mausoleum der Galla Placidia daneben. Doch wie eine Odyssee so ist, mussten wir letztendlich uns auch von diesem Ort verabschieden.

Dritter Part unserer Reise war Padua. An diesem Ort wirkte für eine lange Zeit der heilige Antonius von Padua und liegt ebenso dort begraben. Der Heilige führte ein rastloses Leben und irrte durch die Welt auf der Suche nach Gottes Plan für ihn, bis es ihn irgendwann nach Padua verschlug. Um ihn ranken sich auch dutzende Wundererzählungen. Zuerst besuchten wir die Basilika Santa Guistina, in welcher sich die Gebeine des Evangelisten Lukas befanden. Letzter Punkt des Tages war der botanische Garten in Padua, um auch die Schöpfung Gottes in seiner Artenvielfalt bestaunen zu können. Am nächsten Tag führte uns Pater Giuliano durch die Basilika des heiligen Antonius. In der Basilika stehend eröffnete sich uns ein atemberaubender Anblick. Die Basilika erzählte auf jeder Wand, an jeder Säule und in jeder Ecke unzählige Geschichten aus der Bibel oder den Leben der Heiligen, ob nun auch in der Seitenkapelle mit den Reliquien oder der, in der Antonius selbst lag. So rastlos das Leben des Antonius war, genauso rastlos waren unsere Augen, alles aufzunehmen. Und so reichlich gefüllt Antonius Biographie mit all den Wundern ist, so ist auch diese Basilika bis an den Rand gefüllt mit Eindrücken.

Die nächste Etappe unserer Reise war das kleine Örtchen Camposampiero. Hier hatte einst der heilige Antonius von Padua ein Baumhaus, welches er des Öfteren besuchte. Die an dieser Stelle stehende Kapelle gehört nun zu einer Familien- und Jugendoase, die von Franziskanerbrüdern geleitet wird. Hier gab uns Frater Nicola Zanin einen kleinen Einblick in deren Pastoral: Diese Oase bietet nämlich sowohl für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene als auch Familien viele Aktivitäten sowie auch Möglichkeiten zur Begleitung.

Von da brachen wir sodann zur nächsten Station auf. Und als wir wenig später über eine lange Brücke auf eine Stadt zufuhren, die im Wasser steht, war sie schon zum Greifen nah, Venedig. Bevor wir beginnen konnten, die Stadt zu erkunden, machten wir aber noch einen kleinen Ausflug nach Treviso. Da wir nicht nur der Kultur wegen in Italien waren, sondern ebenso die dortige Pastoral und den Stand der Kirche kennenlernen wollten, hatten wir eine Audienz bei Bischof Michele Tomasi. Er erzählte uns, dass es in Italien trotz der hohen Taufzahlen ebenso wie bei uns einer grundlegenden Erneuerung der Pastoral bedarf. Auch die Einbindung von Laien in die Seelsorge ist noch recht selten. Die Studenten des Priesterseminars sind übrigens viel unterwegs, sie pendeln zwischen den drei Standorten der theologischen Fakultät tageweise hin und her.

In Venedig machten wir uns zum Markusdom auf, in dem uns Kanonikus Don Giuseppe Camilotto eine eindrucksvolle Führung gab. Die Decke war ein Meer aus Gold, die einen Vorgeschmack auf den Himmel erlaubte. Jede weitere Erklärung der oben abgebildeten Personen und Szenen war ein weiterer Grund, überwältigt zu sein. Alles hat seine tiefe theologische Bedeutung und unterstreicht die Botschaft des Evangeliums in bildlicher Form. Auch in Venedig besuchten wir das Seminar: Regens Don Fabrizio Favaro gab uns bereitwillig einen Einblick in die Ausbildung – und zeigte uns den atemberaubenden Ausblick vom Dach des Seminars auf die ganze Lagune.

Auch freie Zeit hatten wir: Die meisten gingen ans Meer zum Baden, andere irrten lieber durch die Stadt. Die Stadt hatte noch viel zu bieten. Sie glich mit allen Gassen, Plätzen und den Brücken einem Anblick aus einem Märchen und egal wohin man abbog, traf man auf  die wundersamsten und buntesten Läden. Wenn man sich auch verlaufen hatte, fand man stets eine weitere Kirche versteckt hinter den Häusern. Und wenn man auf ein Boot stieg, so konnte  man ein Spiel aus Wasser und den zahlreichen Farben der Gebäude betrachten.

Die letzte Etappe unserer Reise war Aquileia, wo wir die dortige Basilika besuchten. Hier konnten wir die Bodenmosaike bestaunen, welche in einer verständlichen Einfachheit die frohe Botschaft verkündigten. Als auch dies abgehakt war, fuhren wir zurück in unser Münchner Seminar, in dem unsere daheimgebliebenen Mitbrüder uns mit einer warmen Abendmahlzeit erwarteten. Trautes Heim, Glück allein.

Schlussendlich blicken wir auf eine Reise zurück, in der wir Gottes Schöpfung und alles, was seine Schöpfung errichtet hat, mit allen Sinnen erfahren durften. Wir waren auf den Spuren heiliger und fiktiver Priester, bestaunten das Spiel der Farben in Werken und Natur, besuchten Orte auf dem Land und zu Wasser. Wir entdeckten fremde Kulturen und alternative Weisen der Pastoral. Für diese wundervolle Zeit sind wir dankbar und möchten deswegen auch allen danken, die uns diese Reise ermöglicht haben und auch der Gemeinschaft, die sich dank dieser Reise intensiver kennenlernen durfte!