von Bernhard Stürber

Diakonenweihe 2020 in „Corona“-Zeiten

Es waren außergewöhliche Bedingungungen, unter denen am Pfingstsamstag 2020 im Liebfrauendom zu München die Diakonenweihe von fünf Mitbrüdern aus unserem Priesterseminar durch Handauflegung und Gebet unseres Erzbischofs gefeiert wurde: die Corona-Pandemie zwang die Mitfeiernden, hauptsächlich Familien der Weihekandidaten,  nicht nur zur 2m-Abstandsregel und zum Tragen von Schutzmasken, auch die Riten der Weiheliturgie mussten angepasst werden. Der Bischof musste zu den Weihekandidaten auf Abstand gehen, allein bei der konsekratorischen Handauflegung berührte er notwendigerweise die Kandidaten. Und dennoch war es ein großes und schönes Fest für alle, die im Dom dabei waren und für die Vielen aus den Gemeinden und Ausbildungspfarreien der Kandidaten, die die Liturgie am Livestream mitfeiern konnten (Hier der Youtube-Link zur Weihe).

Auch die musikalische Gestaltung des Weihegottesdienstes durch vier Solisten der Capella Cathedralis unter der Leitung von Domkapellmeisterin Lucia Hilz, die auf der kleinen Lasso-Empore sangen, war ob ihrer Schlichtheit bei zugleich hoher musikalischer Qualität berührend. Msgr. Hans Leitner, der Domorganist, hatte eine akustische Distanz zu den Sängern von etwa 90 Metern bei 9 Sekunden Nachhall in seine Begleitung einzubeziehen. Eine nicht nur künstlerische Meisterleistung!

Zu Diakonen wurden geweiht:

– Georg Böckl-Bichler (34) aus Steingau- St. Martin, Pastoralkurs im PV Esting-Olching
– Robert Daiser (29) aus Truchtlaching- St. Johann Baptist, Pastoralkurs in der Stadtkirche Bad Aibling
– Tobias Pastötter (30) aus Saaldorf- St. Martin, Pastoralkurs im PV Haar
– Josef Schmid aus Partenkirchen- Mariä Himmelfahrt, Pastoralkurs im PV Oberes Priental
– Stefan Schmitt (25) aus Zolling- St. Johann Baptist, Pastoralkurs in der Stadtkirche Wolfratshausen

Die Weihekandidaten haben Theologie studiert und bereiten sich derzeit im Rahmen des zweijährigen Pastoralkurses in der praktischen Ausbildung in einem Pfarrverband auf ihre Arbeit als Priester vor.

In seiner Predigt ging Kardinal Marx auf den Weihespruch der Diakonandi aus dem 2. Korintherbrief des Apostels Paulus ein: „Ihr seid ein Brief Christi.“ (2 Kor 3,3). „Ihr seid der lebendige Brief Christi“, rief er den Weihekandidaten zu, „ein Brief, der nicht mit Tinte geschrieben ist, sondern mit dem Geist selber, ein Brief, den alle lesen können!“ Es komme darauf an, dass die Nachfolge Christi nicht „toter Buchstabe“ sei, sondern lebendige Interpretation des Evangeliums. Diakone würden mit ihrem ganzheitlichen Zeugnis besonders unter diesem Anspruch stehen, so der Kardinal.

Zum Abschluss dankte der Kardinal den Eltern und Familien der Weihekandidaten und tröstete die neugeweihten Diakone, die heuer auf ein großes Fest verzichten müssen, mit den Worten: „Die Freude kann uns niemand nehmen, auch nicht Corona! Das wäre ja gelacht.“

Gottes reichen Segen den Neodiakonen!

 

Fotos: Robert Kiderle ©