von Bernhard Stürber

Unsere Osterrieder-Krippe

Am Hochfest der Erscheinung des Herrn haben wir mit der feierlichen Haussegnung das neue Jahr mit der versammelten Hauskommunität begonnen.

Unter Beten und Gesängen zog die Kommunität mit dem liturgischen Dienst, ausgestattet mit Weihrauch, Weihwasser und Kreide, von Raum zu Raum, um den Segen Gottes für unser Haus, seine Bewohner und das Zusammenleben der Hausgemeinschaft auch für das neue Jahr zu erbitten.

Die Bilder mögen einen Eindruck von unserer weihnachtlich geschückten Seminarkirche geben. Seit einigen Jahren beherbergt das Münchner Priesterseminar eine Krippe des Münchner Krippenkünstlers Sebastian Osterrieder (1864-1932), die Regens Dr. Lehner mit viel Liebe und handwerklichem Geschick aufstellt.

Sebastian Osterrieder, schon als Jugendlicher mit dem Spitznamen “Krippenwastl” belegt, begann mit 26 Jahren ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München unter Wilhelm von Rümann. Erzbischof Dr. Antonius von Thoma, später Kardinal Michael Faulhaber unterstützten ihn.
Viele seiner Krippen sind heute verschollen. Dementsprechend sind wir stolz, eine originale Osterrieder-Krippe in unserer Seminarkirche zu haben. Osterrieder stellte seine Krippenfiguren in einer von ihm entwickelten, aufwendigen Guss- und Kaschiertechnik her. Als Vorbild dienten ihm neapolitanische und sizilianische Krippen, welche er während seines Studiums im Bayerischen Nationalmuseum kennen gelernt hatte. Er bereiste zudem 1910 mit Unterstützung des Prinzregenten Palästina um dort Land und Leute zu studieren. Osterrieder hat über 100 verschiedene Figuren entworfen und gefertigt. Seine Werkstatt befand sich in der Theresienstraße, unweit des Münchner Priesterseminars.

Neben religiösen Werken fertigte Osterrieder – vor allem vor und nach dem 1. Weltkrieg – auch Kriegerdenkmäler, Nagelstelen und patriotische Plastiken, etwa 1911 das Hoch- und Deutschmeisterdenkmal in Siegenburg. Sebastian Osterrieder starb am 5.6. 1932 in München-Schwabing, wo sich auch sein Grab befindet.