von Regens Dr. Wolfgang Lehner

Ein Abend im Advent

In Not zu geraten, geht schnell: Eine plötzliche Arbeitsunfähigkeit oder eine minimale Rente trotz lebenslanger harter Arbeit im Schichtdienst reichen aus, um in München um das Überleben kämpfen zu müssen. Wer bezahlt die Wohnung, wer den Arzt, wer Medikamente und das Essen?

Täglich kommen zu uns etwa fünfzehn Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft an die Pforte zum Mittagessen; sie alle vereint die Tatsache, dass sie kaum das zum Leben Nötigste haben. Einmal in jedem Semester laden wir sie und alle zu einem gemeinsamen Abendessen ein. Aber es geht nicht nur ums Essen (das heißt: manchen geht es schon darum). Viel wertvoller sind für uns die Gespräche und die Begegnungen, das Zuhören, die Zeit, miteinander zu schimpfen und zu lachen – einfach darum: für einen Abend das Leben zu teilen.

Mit etwa achtzig Gästen haben wir wieder einen schönen und für uns wertvollen Abend verbracht: In der Vesper haben wir im Zeichen der Kerzen auf dem Adventskranz die Wartezeit auf den gefeiert, der uns allen noch fehlt; im gemeinsamen Essen haben wir das adventliche Warten mit Leben erfüllt.