Die Geschichte unseres Hauses

„Der Rohbau war schon ziemlich weit gewachsen; es regnete, aber zugleich war es eine Stunde der Hoffnung und des Neubeginns unter dem Schutz des heiligen Korbinian. Schon war entschieden, daß ich München zu verlassen hätte, aber ich war doch froh und dankbar, daß das Haus bereits wuchs, in dem die kommenden Generationen von Münchener Priesteramtskandidaten sich inwendig auf den Weg zum Dienst für das Evangelium machen würden.“ So schrieb Papst Benedikt XVI. am 3.1.2012 in einem Brief an die Münchener Seminaristen in Erinnerung an die Grundsteinlegung, die er als Erzbischof von München und Freising am 20.11.1981 vorgenommen hatte.

Vorgeschichte in Freising

Im Jahr 1968 war das Priesterseminar in Freising, obwohl gerade eben erst renoviert, zugunsten einer Verlagerung der Priesterausbildung nach München aufgegeben worden. Die Seminaristen drängte es in die Großstadt, um auf der Höhe der Zeit zu sein und ihren Weg in den kirchlichen Dienst nicht abseits der aufgeregten Diskussionen der Studentenbewegung zu gehen. Den Professoren war die Aufnahme an die renommierte staatliche Münchener Theologische Fakultät nur recht. Und Kardinal Döpfner fand sich bereit zu diesem neuen Aufbruch.

Die Institution des Priesterseminars, als „Erzbischöfliche Klerikalseminarstiftung“ 1826 auf königliches Reskript von Ludwig I. hin gegründet, bezog in München wechselnde Standorte: im Pius-Kolleg in der Dauthendeystraße (von wo aus der Weg zur Universität jedoch weit war) und später im Herzoglichen Georgianum am Prof.-Huber-Platz (wo somit zwei Priesterseminare im selben Haus nebeneinander existieren mussten). Es war außerdem die Zeit für Experimente mit einer alternativen Form der Priesterausbildung, die bewusst als gemeinsame Ausbildung für Theologinnen und Theologen für verschiedene kirchliche Berufe konzipiert war und im Einzelfall auch das Wohnen in einer Wohngruppe in der Veterinärstraße 3 oder in einem Pfarrhaus erlaubte. Doch setzte sich langfristig eine solide Seminarausbildung als passendes Modell durch, wie sie 1992 durch das Apostolische Schreiben „Pastores dabo vobis“ auch weltkirchlich bestätigt wurde. Dieser Einsicht folgte bereits Erzbischof Kardinal Josef Ratzinger und setzte sich mit entsprechendem Nachdruck dafür ein, dass das Erzbistum wieder ein eigenes Priesterseminar bekam. Am Fest des Hl. Korbinian 1981 konnte er den Grundstein legen, der sein Wappen trägt und einen biblischen Vers, mit dem er die Aufgabe des Priesterseminars zusammenfasst: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen.“ (1 Petr 2,5)

Das Haus in der Georgenstraße

Das Grundstück in der Georgenstraße 14 war eine Baulücke seit der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Wie andere Grundstücke in guter Innenstadtlage war es von Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler mit finanzieller Hilfe der Barmherzigen Schwestern nach dem Krieg weitsichtig, aber noch ohne konkreten Nutzungs- und Bebauungsplan erworben worden. Die Nähe zur Universität machte es nun geeignet für das Priesterseminar. Doch waren viele Widerstände gegen den Bau zu überwinden, die z.T. auch aus kirchlichen Kreisen erwuchsen. Ursprünglich als L-förmiger Riegel durch den Leopoldpark bis zur Leopoldstraße hinaus geplant, wurde der Bau dann doch wesentlich kleiner als langer, in drei Teile gegliederter Block (Studentenbau, Kirche und Innenhof, Regententrakt mit Aula und Bibliothek) realisiert, der sich von der Georgenstraße aus in den Leopoldpark hinein erstreckt. Dabei wurde Rücksicht auf eine große Buche genommen, die jetzt im Innenhof steht, und ein Fußweg als Zugang von der Georgenstraße in den Leopoldpark frei gelassen. In den 90er-Jahren wurde schließlich auch der Grundstücksteil zur Leopoldstraße hin bebaut, wo jetzt die Katholische Hochschulgemeinde untergebracht ist.

Belegung seit 1983

Kardinal Friedrich Wetter, Ratzingers Nachfolger als Erzbischof von München und Freising, konnte das Priesterseminar mit der Kirchenweihe am 6.11.1983 seiner Bestimmung übergeben. Regens Msgr. Georg Mangold (Regens bis 1988) kam zusammen mit der ersten Generation von Alumnen vom Georgianum herüber. Damals reichten die 76 Studentenzimmer nicht aus für alle Priesteramtskandidaten. Regens Msgr. Rainer Boeck (1988 bis 2000) musste die innere und äußere Verfassung des Priesterseminars an die stark zurückgehende Zahl von Priesteramtskandidaten hin anpassen, die damals dem Trend der gesamten deutschen und westeuropäischen Kirche entsprach. Ein Teil der Zimmer im 1. Stock wird seither zu günstigen Konditionen für jeweils ein Jahr an Studenten anderer Fächer vergeben, die nicht zur Kommunität des Priesterseminars gehören, aber im geselligen Miteinander oft guten Anschluss an die Seminaristen gewinnen. Außerdem war es möglich, die Werkwochen des Pastoralkurses verstärkt im Priesterseminar stattfinden zu lassen, auch jene, die gemeinsam mit den Pastoralassistenten/innen im Vorbereitungsdienst veranstaltet werden. Die Belegung blieb in den Jahren unter Regens Msgr. Dr. Franz Joseph Baur (seit 2000) mit ca. 25 Seminaristen einigermaßen stabil. Mit der Neugestaltung des Innenhofs, wo nun im Sommer ein Brunnen plätschert, wurde 2010 ein Stück, das beim Bau gewissermaßen liegen geblieben war, vollendet.

Chronik

Detailliert wird über die Ereignisse, die die Geschichte des Münchener Priesterseminars ausmachen, seit 2001 in der Chronik des Regens berichtet, die alljährlich im „Rundbogen“ veröffentlicht wird. Denn die eigentliche Geschichte des Hauses sind ja doch die „lebendigen Steine“, die Priesterkandidaten, die Ausbilder, die Schwestern und die Beschäftigten, die das „geistige Haus“ bilden, das vom II. Vatikanum mit einem ehrenvollen Titel „Herz der Diözese“ (OT 5) genannt worden ist.

Regenten

Msgr. Georg Mangold, 1983-1988
Msgr. Rainer Boeck, 1988-2000
Msgr. Dr. Franz Joseph Baur, 2000-2013
Dr. Wolfgang Lehner, seit 2013

Spirituale

Herbert Krist, 1983-1985
P. Ludwig Schuhmann SJ, 1985-1992
P. Heribert Stumpf OMI, 1992-1996
P. Paulus Heiß OSB / Josef Heiß, 1996-1999
Gerhard Beham, 1999-2004
P. Benedikt Nettebrock OSB, 2005-2010
Dr. Andreas Schmidt, seit 2011

Subregenten

Dr. Bernhard Haßlberger, 1983-1987
Dr. Siegfried Kneißl, 1987-1991
Stefan Füger, 1991-1993
Bernhard Kremmer, 1993-1999
Martin Guggenbiller, 1999-2004
Thomas Brei, 2004-2007
Andreas Günther, 2007-2012
Benjamin Gnan, seit 2012

Dozent für Liturgik und Kirchenmusik

Diakon Bernhard Stürber, seit 1993

Senioren/Studentensprecher

1983/84 Georg Neumaier
1984/85 Peter Demmelmair
1985/86 Hans Speckbacher
1986/87 Helmut Bauer
1987/88 Thomas Frauenlob
1988/89 Thomas Huber
1989/90 Bernhard Röhrl
1990/91 Alfred Maier
1991/92 Christoph Huber
1992/93 Michael Schrom
1993/94 Thomas Gröner
1994/95 Stephan Pauly
1995/96 Martin Sinnhuber
1996/97 Thomas Brei
1997/98 Herbert Seitz
1998/99 Andreas Lackermeier
1999/2000 Andreas Horn
2000/01 Tobias Rother
2001/02 Markus Zurl
2002/03 Albert Hack
2003/04 Roland Gruber
2004/05 Martin Kurlitsch
2005/06 Josef Steindlmüller
2006/07 Benjamin Gnan
2007/08 Anton Haslberger
2008/09 Anton Unden
2009/10 Bruno Bibinger
2010/11 Florian Haider, ab 27.6.2011 Martin Ghiraldin
2011/12 Michael Maurer
2012/13 Philipp Werner
2013/14 Josef Rauffer
2014/15 Martin Bauer
2015/16 Jaime-Pasqual Hannig
2016/17 Andreas Kolb