Die Ausbildung zum Priester

Priester zu sein ist eine reiche und vielfältige Berufung. Ihr Herz ist die lebendige Gemeinschaft mit Christus, dem Herrn seiner Kirche. Aus Liebe zu ihm und zu den Menschen stellt sich der Priester der Kirche zur Verfügung, um die heilende Nähe Gottes im Leben der Menschen erfahrbar werden zu lassen. Dies geschieht in der Spendung der Sakramente und in der Verkündigung von Gottes Wort, im vertrauensvollen Gespräch und in der Begleitung von Menschen in verschiedensten Lebenssituationen. Sein Dienst hat immer den Charakter einer Leitungsaufgabe, denn er übt Autorität aus im Namen Jesu. Er ist als Mitarbeiter dem Bischof verpflichtet, da ihm die Mitwirkung an dessen Hirtenaufgabe übertragen wird. Praktisch obliegt ihm damit auch die Organisation des kirchlichen Lebens in vielen Belangen.

Menschliche Reife

Die Vielzahl der Aufgaben und die besondere Lebensform des Priesters verlangen eine reife Persönlichkeit. Da keiner alles kann, braucht der Priester einen wachen Sinn für Kooperation und Gemeinschaft. Er soll die Charismen einzelner entdecken und fördern, damit sie für das Leben der Kirche reiche Frucht bringen. Dafür ist es wichtig, dass der Priester seine eigenen Stärken und Schwächen kennt und einen verantwortungsvollen Umgang damit gefunden hat.

Daher legt die Ausbildung im Priesterseminar großen Wert auf die menschliche Reife der Kandidaten. Auf ihr ruht das geistliche Leben und die freie Entscheidung für das Priestertum. Ein gesundes Urteilsvermögen ist genauso wichtig wie eine ausgeglichene Affektivität. Einsatzbereitschaft, Belastbarkeit, Teamfähigkeit und die Übernahme von Leitungsverantwortung sind wichtige Ziele der Ausbildung. Das gemeinschaftliche Leben im Priesterseminar trägt dazu ebenso bei wie regelmäßige Reflexionsgespräche, Workshops und die Übernahme von Verantwortung für das Leben im Seminar. Supervisorische und psychologische Begleitung helfen dem Kandidaten, seine Fähigkeiten zu entwickeln und sich auf den späteren Dienst vorzubereiten.

Spirituelle Bildung

Priesterliches Leben kann nur fruchtbar werden, wenn es in der gelebten Beziehung zu Jesus Christus seine Mitte hat. Daher hat die geistliche Ausbildung im Priesterseminar zum Ziel, die persönliche Gottesbeziehung wachsen zu lassen und und diesen geistlichen Weg auch in Gemeinschaft mit den anderen zu gehen. Sie möchte zu einem authentischen kontemplativen Leben mitten in der Welt zu hinführen. Aus solcher Verwurzelung in Christus entspringt dann der der Einsatz für die Menschen und das Engagement für die Neuevangelisierung.

Die tägliche Eucharistiefeier, das Stundengebet und das persönliche Gebet helfen, den Alltag immer mehr aus einer lebendigen Beziehung mit Gott heraus zu leben. Der “Grundkurs Spiritualität” erschließt die zentralen Themen des geistlichen Lebens theologisch und gibt Hilfestellungen zum persönlichen Vollzug. Regelmäßige Impulse und Kursgespräche nehmen spezielle geistliche Themen in den Blick. Auf seinem persönlichen Weg wird jeder Student von einem geistlichen Begleiter unterstützt, mit dem er seine Fragen und Erfahrungen besprechen kann. Schließlich gehören zur spirituellen Bildung noch jährliche Exerzitien, die wesentliche Impulse für die Vertiefung des geistlichen Lebens und die Unterscheidung der persönlichen Berufung geben.

Theologisches Wissen

Zu Recht darf man im Priester den “Experten” in allen möglichen Fragen des Glaubens sehen. Das reicht von einem tiefen geistlichen Verständnis für die Höhen und Tiefen in der Geschichte einer einzelnen Seele mit Gott bis hin zur klugen Positionierung eines christlichen Standpunkts in aktuellen politischen Fragen. Im Kern steht die redliche, verständliche und überzeugende Verkündigung der zentralen Glaubensinhalte in Predigten und Zeitungsartikeln, im gesellschaftlichen Smalltalk und in der konzeptionellen Gestaltung des pfarrlichen Lebens. Es gilt daher die Zeit der Ausbildung zu nutzen, um sich den kirchlichen Glauben in aller Breite und in einer persönlichen Erfahrungstiefe anzueignen, ihn gründlich zu reflektieren und zu diskutieren und ihn in kleineren und größeren theoretischen Darlegungen und in ersten pastoral-praktischen Anwendungen auch zu verantworten.

Pastorale und praktische Ausbildung

Die Begegnung mit Menschen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Herkunft und Bildung verlangt eine hohe Sensibilität des Priesters in seiner seelsorglichen Tätigkeit. Damit er den Menschen die heilende Nähe Jesu vermitteln kann, braucht er ein Verständnis für die Eigenart eines jeden einzelnen. So kann es ihm gelingen, die positiven Möglichkeiten eines jeden zu stärken und ihm zu helfen, seine je eigene Beziehung zu Gott und seine Sendung in der kirchlichen Gemeinschaft zu finden. Zur Pastoral gehört ferner die Weiterentwicklung und der Aufbau von passenden Strukturen, die dem Glaubensleben der vielen eine feste Gestalt geben. In den Praktika, die in verschiedenen Bereichen der Seelsorge absolviert werden, und in der zweijährigen Ausbildung in einer Gemeinde nach dem Studium erwirbt der Priesterkandidat grundlegende Kompetenzen für sein seelsorgliches Handeln, die er in seiner priesterlichen Sendung ausbauen und vertiefen wird.