Alltag im Priesterseminar

Beten

Beten ist selbstverständlich im Seminar. Nicht weil es eingeübt werden müsste, um eines Tages guten Gewissens Ja zu sagen, wenn gefragt wird: “Seid ihr bereit, Männer des Gebets zu werden?” Sondern um Gott die Ehre zu geben. Dazu ist der Mensch ja bekanntlich auf Erden. Aus diesem selbstverständlichen Stellenwert des Gebets entfaltet sich der Rhythmus des gemeinschaftlichen Betens: Täglich feiern wir die Eucharistie in der Kirche, auch in den Ferien, und alle 14 Tage mal auf Latein, und an den gemeinsamen Sonntagen in besonders liebvoller, reicher Gestaltung. Die Eucharistie hat ihr Echo im Tischgebet. Und in der Anbetung, zu der sich fast täglich einige Seminaristen in der Kirche zusammenfinden. Die Seminarkirche kennt übers Jahr auch Bußandachten, Maiandachten, den Rosenkranz, Schriftbetrachtungen und vor allem das tägliche Stundengebet.

Doch bei all diesen gemeinschaftlichen Gebeten wissen wir, dass es letztlich auf das ankommt, was einer im stillen Kämmerlein, im Zimmer und im Herzen, mit Gott ausmacht. Die kirchlichen Formen und der Übungsweg des Seminars sind nur die äußere Hülle für das freie, persönliche, inwendige, gnadenhafte Dasein vor Gott.

Arbeiten

Den größten Teil ihrer Zeit verbringen die Priesterkandidaten mit dem Studium der Theologie und der Philosophie. Vorlesungen und Seminare an der Uni und an der Hochschule der Jesuiten brauchen ihre Zeit für die Vor- und Nachbereitung. Wer gut studieren will, der liest auch viel, und übt seine Fähigkeit, sich auszudrücken und theologisch zu argumentieren, in Referaten und Seminararbeiten.

Daneben gibt es auch kleine und größere Aufgaben im Priesterseminar, bei denen sich die Alumnen einbringen: die Gestaltung der Liturgien und das gemeinsame Singen sind natürlich besonders wichtig, aber auch Feste und Feiern wollen vorbereitet und begangen sein. Und dann ist da noch der Alltag: von der Betreuung der Bibliothek über eine Aufräumaktion im Radlkeller bis hin zum Wäschewaschen und Bügeln vor dem Fernseher ist alles dabei. Langweilig wird einem da eher selten!

Im Priesterseminar gibt es zudem eine liturgie-praktische Ausbildung. In liturgischen Praxisseminaren setzen sich die Studenten mit Gestaltungsfragen des Gottesdienstes auseinander und erlernen praktische Fähigkeiten auf das Ziel „Vorsteherdienst“ hin. Dazu gehört ebenso die Sprecherziehung und Stimmbildung.

Entspannen

Das Programm in der Universität und im Haus ist dicht. Da braucht es Zeiten der Ruhe und der Geselligkeit – und auch die gibt es im Priesterseminar. Nach dem Mittagessen ziehen sich die Seminaristen gerne auf ihre Stockwerke zurück, um gemeinsam einen Kaffee zu trinken. Wer gerne im Grünen spazieren geht, hat es zum Englischen Garten nicht weit. In der Seminarturnhalle wird der gemeinsame Sport gepflegt, meist mit einem Hockey- oder Fußballspiel am Abend. Zum Tagesausklang ist des öfteren das Bierstüberl geöffnet. An Hauswochenenden hat dort auch der Sonntagsfrühschoppen Tradition. Dazu kommen die Initiativen einzelner Seminaristen: ein gemeinsamer Filmabend oder Ausflüge in kleineren Gruppen stehen immer wieder auf der Tagesordnung. So bietet das Seminar reichlich Möglichkeit für den nötigen Ausgleich, sei es individuell oder in Gemeinschaft.