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Priesterjahr

Papst Benedikt hat am 19. Juni 2009 ein Jahr der Priester für die ganze Kirche ausgerufen. Das Priesterseminar München greift das Thema des Priesterjahrs "Treue des Priesters - Treue Christi" in verschiedenen Veranstaltungen und Initiativen auf, die auf dieser Seite vorgestellt werden
Erzbischof Marx begrüßt das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene "Jahr des Priesters"

Papst Benedikt XVI. hatte am 19. Juni das „Jahr des Priesters“ eröffnet, das unter dem Leitgedanken „Treue zu Christus, Treue des Priesters“ steht. Anlass der Initiative ist der 150. Todestag des Heiligen Pfarrers von Ars, des Schutzpatrons der Priester.

Erzbischof Marx hat nun die Priester der Erzdiözese dazu eingeladen, das Priesterjahr als „gemeinsamen Weg des Dankes für die Berufung, die uns geschenkt wurde“ zu verstehen. Es gehe nicht um zusätzliche Programme und Aktivitäten, sondern darum „das Alltägliche des priesterlichen Dienstes außergewöhnlich gut und in großer Dankbarkeit zu tun“. Er bete darum, „dass das Priesterjahr uns gemeinsam dankbar werden lässt für das große Geschenk unserer priesterlichen Berufung im Vertrauen auf den, der uns gerufen hat“. Der Erzbischof lud alle Priester zu Priestertagen und zur Teilnahme an einer Diözesanwallfahrt zum Weltpriestertreffen in Rom am 9. bis 11. Juni 2010 ein, die er selbst begleiten wird.

Hier können Sie ein von Erzbischof Marx verfaßtes Gebet um Priester- und Ordenberufe herunterladen. (BS)
Studientag zum Priesterjahr in Eichstätt

„War das ein Thema der Seminaristen oder der Regenten?“, fragte mich Weihbischof Thomas Maria Renz beim Mittagessen. Wir hatten den gemeinsamen Studientag der bayerischen Priesterseminare im Rahmen des Priesterjahrs unter das Thema gestellt: „Heiliger Priester werden – unmöglich unter den heutigen pastoralen Bedingungen?“ Es war die Themenstellung der Regenten. Und doch sind die ca. 180 Seminaristen, die am 7. November 2009 in Eichstätt zusammengekommen waren, mit Interesse auf dieses Thema eingestiegen. Die stattliche Zahl an Priesterkandidaten, die sich im großen Hörsaal der Katholischen Universität Eichstätt eingefunden hatte, und die später den Speisesaal des Priesterseminars und zum Abschluss die Schutzengelkirche füllte, war schon ein erster atmosphärischer Erfolg des Tages. Sich in großer Anzahl zu erleben, Kontakte aus dem Freijahr erneuern, Seminaristen aus anderen Häusern kennenlernen und entsprechende Vergleiche anstellen, das wussten unseren Kandidaten zu genießen. Dafür, höre ich, hätte gern noch mehr Zeit sein können.

Der Schwerpunkt des Tages lag freilich auf der inhaltlichen Arbeit. Als Hauptreferent sprach am Vormittag nach dem Grußwort des Dekans der Theologischen Fakultät an der KU Eichstätt-Ingolstadt, Prof. Dr. Konstantin Maier, der Weihbischof des Bistums Rottenburg-Stuttgart Thomas Maria Renz. Er hatte selbst vor wenigen Wochen sein silbernes Priesterjubiläum gefeiert und nahm in seine Ausführungen eine Reihe von sehr ehrlichen persönlichen Erinnerungen und Einsichten auf. Die Heiligkeit des Priesters ist eingebettet in den Ruf zur Heiligkeit, der jedem Gläubigen gilt. Wie jeder Christ und zusammen mit allen anderen Christen ist der Priester hier Empfänger der Gnade Gottes und bedarf selbst der Sakramente. Dieser Aspekt wurde im Korreferat von Prof. Dr. Bertram Stubenrauch (Dogmatik, München) wieder aufgegriffen, der die Formel „in persona Christi agere“ auf alle Christen anwandte, die allesamt kraft des empfangenen Geistes Christus repräsentieren. Die priesterliche Christusrepräsentanz stellt Unmittelbarkeit her und ist keine Zwischeninstanz zwischen dem Herrn und den Gläubigen: „mediatio suppositi, immediatio virtutis“ (neuscholastisches Axiom). Auch Prof. Dr. Jürgen Bärsch ließ seine Überlegungen zur Liturgie auf die Beziehung des Priesters zu den Gläubigen hinauslaufen. Für viele bildet das gottesdienstliche Erleben ein Tor zur geistlichen Berufung. Der Weg führt aber dann zu einer ars celebrandi, genauer zu einer ars praesidendi, womit der Priester den Gläubigen das liturgische Geschehen zu erschließen hat. Ein drittes Kurzreferat zur Vertiefung bildete der Beitrag von Prof. Dr. Peter Krämer, der überraschender Weise im Kirchenrecht einige gehaltvolle Hinweise fand: Der Kodex vom 1983 macht ernst mit dem Anliegen des II. Vatikanums, die Rechte und Pflichten der Kleriker nicht als Standesprivilegien, sondern als Rahmenordnung für ihren pastoralen Dienst zu definieren. Im anschließenden offenen Austausch wurde ein Begriff von Othmar Fuchs hinterfragt, der von Weihbischof Renz zitiert worden war: „Spiritualität der Zwischenzeit“.

Nach dem Mittagessen hatten die Seminaristen den Auftrag, in kleinen Gruppen weiter zu diskutieren. Respekt vor dem Eichstätter Collegium Willibaldinum, das nicht nur 18 Räume zur Verfügung stellen konnte, sondern auch die logistische Leistung hinbekam, die Gruppen zügig einzuteilen und an den Ort zu bringen! Auf eine Hoffnung, eine Sorge und einen Vorsatz, was man sich für die Zeit der Ausbildung vornehmen wollte, sollte sich jede Gruppe einigen. Der Moderator des Nachmittags griff daraus dann allerdings nur die „Sorgen“ auf, um es den Teilnehmern des Podiums nicht allzu leicht zu machen, sondern sie bei ihrer Verantwortung für die Seminaristen und die Priesterausbildung zu packen. Dort saßen neben den Professoren des Vormittags und mir selbst als Sprecher für die Regenten ein ehemaliges Gespann Regens/Seminarist, mittlerweile aber Spiritual in München – Professor Dr. Ludwig Mödl – und Bischof von Eichstätt – Dr. Gregor Maria Hanke OSB. Was der damalige Seminarist Hanke seinem Regens geantwortet hätte, wenn der ihm genau das gesagt hätte, was der heutige Bischof sagt, das hielt Prof. Mödl seinem heutigen Diskussionspartner auf dem Podium hin – sehr zum Ergötzen des Publikums. Es ging darum, das Priesterliche mitten in der wuchernden Beanspruchung für Verwaltungsaufgaben lebendig zu halten. Dass sich die künftigen Priestern hohen Ansprüchen stellen, ging deutlich aus den Ergebnissen der Gruppenarbeit hervor, Ansprüchen aus dem geistlichen Ideal des Priesters, Ansprüchen der Menschen, zu denen sie gesandt werden, Ansprüchen der Bistümer an die redliche Besorgung der Amtsgeschäfte. Die Sorge, dem gewachsen zu sein, wurde auf dem Podium sehr ernst genommen, so ernst, dass am Ende sogar der Eindruck entstand, das Priesterwerden sei doch jetzt in sehr düsteren, problemschwangeren Farben gemalt worden. Die Hoffnungen der Seminaristen und ihr aktives, selbstverantwortliches, zuversichtliches Zugehen auf das geistliche Amt wären viel zu kurz gekommen. Das stimmt wohl. Aber insofern die Teilnehmer diese Schlagseite wahrgenommen haben, war es für sie zugleich eine Besinnung auf die positiven Kräfte der Hoffnung und Begeisterung, die sie aus ihrer Berufung schöpfen.

Festlicher Abschluss des Programms war die Pontifikalvesper in der (fast fertig restaurierten) Schutzengelkirche. Bischof Gregor Maria Hanke nahm in seiner Homilie den Ausgangspunkt bei der Berufung des Samuel. Die Schola des Eichstätter Priesterseminars gab ein Zeugnis der hohen Gesangskultur, die dort im Haus gepflegt wird. Ausklang beim Abendessen: Dass es am Buffet eine lange Schlange gab, störte eigentlich niemand. Man war sich näher gekommen, den Tag über, und hatte mancherlei Gesprächsstoff für die Wartezeit. Der Gesprächsstoff hielt auch noch einige weitere Tage vor. Ein gelungener Seminaristentag im Rahmen des Priesterjahrs. Unter den vielen, denen dafür Dank gebührt, soll eigens erwähnt sein Dr. Salvatore Loiero, über den der Kontakt zur Fakultät gelaufen ist und der noch weiter arbeiten wird – nämlich an der Veröffentlichung der Beiträge zum Studientag. (FJB)
Besuch am Grab des Hl. Pfarrers von Ars

„Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt, ich werde dir den Weg zum Himmel zeigen.“ An diese Szene erinnert ein Denkmal unmittelbar bei Ars-sur-Formans. Jean-Baptist Vianney kam des Wegs, um seine Pfarrstelle anzutreten in dem unbekannten kleinen Ort Ars, der durch ihn weltberühmt werden sollte. Er musste einen Hirtenjungen nach dem Weg fragen, um dann zum Wegweiser für die Menschen in Ars und zum Seelenführer für die Scharen zu werden, die ihn dort aufsuchten. Zu seinem 150. Todestag hat Papst Benedikt XVI. das Priesterjahr ausgerufen, um den Heiligen Pfarrer von Ars erneut als Wegweiser für die Priester vor Augen zu stellen. Wir – eine Gruppe von Seminaristen gemeinsam mit Regens Dr. Baur – folgten diesem Ruf und machten uns auf den Weg nach Ars. Allerdings blieb nur einer von uns zehn bis zum 4. August, dem Todestag und Gedenktag des Heiligen. Für die anderen war die kurze Woche unmittelbar nach Semesterende, die wir für diese Fahrt nahmen, schon vorher vorbei.

Man kommt, schaut sich alles an, staunt vor der Tafel mit dem Tagesablauf des Heiligen – fast rund um die Uhr war er für die Gläubigen da, im Beichtstuhl, am Altar, im Gebet, aber auch mit „Verwaltung“ befasst für sein Mädchenhaus, die „Providence“. Am innigsten war es bei der Heiligen Messe in der Krypta, die er selbst zum Gebet aufgesucht haben soll, wenngleich sie nicht mehr danach aussieht, und an seinem Grab. Wie in den geistlichen Übungen gelangt man erst durch die Wiederholung in die Tiefe: Ein zweiter Besuch am Grab, ein dritter Blick von der Terrasse des Priesterseminars, wo wir zu Gast waren, auf die Basilika, ein vierter und fünfter Tag in Ars – so langsam eignen wir uns etwas vom Geist des Hl. Pfarrers an. Für Innerlichkeit muss Raum sein; für Ruhe, Betrachtung und Beschaulichkeit muss Zeit sein; Geborgenheit im katholischen Ambiente wissen wir zu schätzen; ehrliches Bemühen um einen persönlichen Weg in Lauterkeit und Bereitschaft zur Hingabe – fast unwillkürlich lenkt man in Ars seine Schritte dahin. Der Ort hat seine Atmosphäre, und der Heilige hat seine Botschaft: Liebe, Liebe und immer wieder Liebe. Wir lesen uns auch die ein oder andere Predigt von ihm gegenseitig vor.

So, mit dem Vorlesen von Originaltexten der Heiligen, gestalten wir auch die Ausflüge, die wir von Ars aus unternehmen, zu Margareta Maria Alacoque und Claude de La Colombière nach Paray-le-Monial, zur Hl. Blandina und zum Hl. Irenäus nach Lyon, zum Hl. Bruno in die Große Kartause, zu Franz von Sales und Jeanne Francoise de Chantal nach Annecy. Nicht, dass uns der Hl. Pfarrer von Ars irgendwann nichts mehr zu sagen gehabt hätte. Aber auch die anderen Heiligen vermögen die Besinnung auf den Glauben und die Berufung zu inspirieren. Und abends kehrten wir immer wieder zurück in die Ruhe von Ars, zum Heiligen Pfarrer von Ars, zur Herzmitte des Priesterjahrs und der priesterlichen Berufung. Er hätte zwar wenig übrig gehabt für unsere moderne Mobilität, die wir so selbstverständlich in Anspruch nahmen, für den Genuss von Landschaften (den Blick über die Ebene bis zum Mont Blanc, die Bergwelt der Großen Kartause, die Frucht der Weinberge des Beaujolais), für den Bildungseifer in Sachen Architektur (die romanische Basilika in Paray-le-Monial, die monströse Kirche Notre Dame de Fourvière in Lyon und Le Corbusiers Geniestreich in Ronchamp) und für die Leichtigkeit der Unterhaltung während der Fahrten und bei Tisch. Und doch, er hätte uns wohl verstanden, wie wir eben als Kinder unserer Zeit die Gnade des Priestertums anzunehmen und zu realisieren versuchen. Möge er uns als Patron, Vorbild und Fürsprecher weiter durch das Priesterjahr begleiten. Wir werden nicht vergessen, wie er uns zum Himmel ruft und uns Richtung und Weg dorthin zeigt. (FJB)
Prägende Priestergestalten der Erzdiözese

Im Wintersemester 2009/10 und im Sommersemester 2010 werden wir uns im Priesterseminar, der Einladung Papst Benedikts zum Priesterjahr folgend, mit prägenden Priesterpersönlichkeiten aus der jüngeren Diözesangeschichte beschäftigen. Wir wollen anhand einzelner herausragender Priester die Vielfalt des priesterlichen Dienstes in den Blick nehmen und sehen, wie fruchtbar die Priesterberufung im Leben der Kirche sein kann: in der Jugendarbeit wie im sozialen Engagement, in der Ausbildung und Leitung, im unerschrockenen Zeugnis für Christus wie zur persönlichen Heiligung. Dazu werden sich die Studenten mit neun Priesterpersönlichkeiten beschäftigen und je einen Abend für die ganze Kommunität gestalten. Als Ergebnis eines jeden Abends wird eine zusammenfassende Präsentation des Lebens und Wirkens der besprochenen Priester im Eingangsbereich des Priesterseminars ausgestellt , so dass im Laufe des Jahres eine Galerie mit herausragenden Priestern unseres Erzbistums entstehen wird, an denen sich die Alumnen orientieren und für ihre eigene Berufung Maß nehmen können. Auf dieser Webpage werden wir die Vorstellungen dokumentieren.

Prälat Ludwig Wolker - ein Kämpfer für die Jugend



Kaplan Josef Wehrle - ein unerschrockener Zeuge des Evangeliums



Monsignore Wilhelm Bleyer - ein Vater der Lehrlinge



Monsignore Wendelin Stöttner - ein Freund der Jugend und Gründerpfarrer mit Leib und Seele



Prof. Michael Schmaus - ein Vordenker und Reformer der katholischen Dogmatik



Prälat Max Eham - ein Musiker aus Leidenschaft



Regens Michael Höck - der "Papa Höck" vom Domberg in Freising



Prälat Max Zistl - ein Münchener Stadtpfarrer mit Stilsicherheit



Pfarrer Korbinian Aigner - mehr als nur ein Apfelzüchter
Prälat Max Eham - Priester und Musiker

Prälat Max Eham war langjähriger Domkapellmeister an der Münchner Liebfrauenkirche, Komponist und engagierter Erneuerer der katholischen Kirchenmusik nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Er starb am 27. Juli 2008 im hohen Alter von 93 Jahren.
Eham wurde am 16. Februar 1915 als jüngster Sohn einer Bauernfamilie in Bergham bei Miesbach geboren. Seine musikalische Begabung wurde früh entdeckt und im damaligen Erzbischöflichen Knabenseminar in Freising gefördert. Dort hatte er ersten Klavier- und Orgelunterricht. Auch sein weiterer Werdegang ist mit der alten Bischofsstadt Freising verbunden. Dort machte er am Domgymnasium sein Abitur und studierte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule. Gleichzeitig nahm er privaten Musikunterricht bei Michael Dachs, dem Musikerzieher der Freisinger Lehrerbildungsanstalt und Autor bekannter Lehrbücher zur Musiklehre, Harmonielehre und zum Kontrapunkt. 1939 wurde Max Eham von Kardinal Michael Faulhaber in Freising zum Priester geweiht.

Unmittelbar danach studierte er bis 1941 an der Staatlichen Akademie der Tonkunst in München bei den Professoren Joseph Haas (Komposition), Emanuel Gatscher (Orgel) und Ludwig Berberich (Kirchenmusik). Außer Orgel und Klavier lernte Eham auch Geige, Flöte und Horn. 1949 wurde er zum Domkapellmeister am Freisinger Mariendom und zum Chorallehrer am Freisinger Priesterseminar ernannt. 1969 trat er die Nachfolge von Professor Johannes Hafner als Domkapellmeister der Münchner Liebfrauenkirche an. Dieses Amt übte er mit großer Hingabe und künstlerischer Leidenschaft bis 1990 aus. 1969 wurde er zunächst Lehrbeauftragter, 1975 Honorarprofessor an der Abteilung Katholische Kirchenmusik der Staatlichen Hochschule für Musik in München. Dort unterrichtete er Partitur und Generalbassspiel, Dirigieren und Geschichte der katholischen Kirchenmusik.

Eham hat sich besonders für die Erneuerung der katholischen Kirchenmusik nach der liturgischen Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils engagiert und musikalische Maßstäbe für eine aktive Teilnahme der Gemeinde an der Gestaltung eines lebendigen Gottesdienstes gesetzt. Er sagte, die Kirchenmusik sei verpflichtet, dem lebendigen Gottesdienst der Kirche zu dienen. Andererseits sei es legitimer Auftrag der Kirchenmusiker, die vielen Schätze der geistlichen Kompositionen früherer Epochen nicht in den Archiven verstauben zu lassen. Als Komponist hat Prälat Eham zahlreiche Messen geschaffen und viele Motetten und Vespern komponiert. Vier Requien hat er komponiert und speziell für den Münchner Liebfrauendom und den Freisinger Mariendom musikalische Vespern geschrieben, darunter die populäre „Korbiniansvesper“ zum Fest des Diözesanpatrons der Erzdiözese. Für seine Verdienste um die Kirchenmusik ernannte ihn Papst Paul VI. 1977 zum Ehrenprälaten. 1986 ehrte ihn Bundespräsident Richard von Weizsäcker mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

Für den im Alter von 93 Jahren verstorbenen letzten Münchner „Priester-Domkapellmeister“ fand Kardinal Friedrich Wetter beim Requiem am Freitag, 1. August 2008, sehr persönliche Worte. Er nannte ihn einen „Spielmann Gottes“. Seine Musik und Lieder seien „schon lange drüben angekommen“. Gott selbst habe seinen „treuen Spielmann zu sich geholt“. Ehams Kompositionen hätten „schon hier auf Erden etwas vom ewigen Lobgesang bei Gott hörbar gemacht“.

Der Kardinal würdigte den Verstorbenen als Erneuerer der katholischen Kirchenmusik nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. In seinem liturgisch-musikalischen Schaffen habe er Kirchenchören, Chorleitern, Gemeinden und Priestern der Erzdiözese und weit darüber hinaus vermittelt, dass Kirchenmusik nicht vom Kirchenraum her ihren Namen habe, sondern „aus dem Inneren der lebendigen Kirche hervorgeht“. Wörtlich sagte Wetter: „In einer Gemeinde, die verstanden hat, was die Liturgiereform des Konzils eigentlich gewollt hat, gibt es keine Konkurrenz zwischen Chor und Volk, zwischen Kantor und Volk.“ In ihrem harmonischen Miteinander werde „die symphonische Einheit der Kirche hörbar“.

Eham habe komponiert und gelebt, was Papst Benedikt XVI. im vergangenen Jahr in Rom bei einer Begegnung mit Vertretern der Hochschule für katholische Kirchenmusik Regensburg gesagt habe. Kirchenmusik sei ihrem Wesen nach nicht einfach Zutat zur Liturgie, sondern Liturgie selbst. Für das reiche Schaffen des Domkapellmeisters als Komponist, liturgisch-musikalischer Erzieher und Professor in der Ausbildung der Kirchenmusiker sage er namens der Erzdiözese und der gesamten bayerischen Kirchenmusik „ein großes und herzliches Vergelt’s Gott“. Der Kardinal erinnerte daran, dass Eham im einstigen Freisinger Priesterseminar als Chorallehrer ganze Priestergenerationen musikalisch-liturgisch geprägt habe. Zu den Schülern Ehams gehörte in dieser Zeit auch Joseph Ratzinger, der jetzige Papst.
Eham hat noch zu Lebzeiten eine Stiftung mit dem Auftrag gegründet, sein außerordentlich umfangreiches kirchenmusikalisches Werk zu verzeichnen und zugänglich zu machen. Das Archiv mit seinen Werken wurde der Freisinger Dombibliothek anvertraut. Auf dem Münchner Waldfriedhof wurde Max Eham im Gräberfeld des Metropolitankapitels München beerdigt. (WR / BS)

Am Vorabend des Korbiniansfestes 2009 fand im Münchner Priesterseminar ein Abend zu Max Eham statt, bei dem sein Neffe Prof. Dr. Markus Eham ein lebendiges und eindrucksvolles Bild seines Onkels entstehen ließ. Näheres dazu finden Sie auf der Seite Aktuelles.
Monsignore Wilhelm Bleyer – Priester und “Lehrlingsvater”

Monsignore Wilhelm Bleyer war 50 Jahre lang 1.Vorsitzender des Vereins für Lehrlingsschutz e.V. (heute Kath. Jugendsozialwerk), Leiter von Lehrlingsheimen, Religionslehrer und Seelsorger in einigen Münchner Pfarreien. Er starb am 4.12.1983.

Geboren wurde Wilhelm Bleyer am 14.Juli 1905 in München. Von Jugend an war er religiös geprägt, engagierte sich in der kath. Jugendbewegung, bei den Wandervögeln und beim ND (Bund Neudeutschland). Nach Studium der Theologie in Innsbruck und München wurde er am 29. Juni 1928 in Freising zum Priester geweiht. Neben seiner ersten Anstellung als Hilfspriester war er wieder in verschiedenen Jugendgruppen und beim „Verein für Lehrlingsschutz e.V.“ tätig. Der 1885 gegründete Verein machte sich die berufsbezogene Jugendhilfe zum Ziel. Durch die Schaffung von Unterkünften und Treffs, durch Lehrstellenvermittlung und finanzielle Unterstützung sollten die vermehrt nach München zuwandernden Lehrlinge betreut werden. 1929 übernahm Bleyer den Vorsitz dieses Vereins. Zeitgleich wurde Bleyer auch zum Direktor des Jugendheimes an der Berlepschstraße ernannt. Nach der Machtergreifung wird von harten Kämpfen mit den Nationalsozialisten berichtet, in Folge derer er als Direktor abgesetzt wurde. Auf Vermittlung des Stadtjugendamtes München konnte er aber das Heim weiterführen. Zwischenzeitlich war er in der Pfarrseelsorge (München - St. Ludwig, Beuerberg) und als Religionslehrer bei den Armen Schulschwestern und an der Rupprecht-Oberrealschule tätig, bis er 1944 Pfarrer von München - Mariahilf wurde. Nach eineinhalb Jahren übernahm er nun die Leitung des Lehrlingsheimes in der Morassistraße. Zwei Jahre später wurde ihm nebenbei auch noch die Pfarrei von München - St. Barbara als Rektor anvertraut. 1979 gab der den Vorsitz des Vereins für Lehrlingsschutz ab, in dem er seine eigentliche Lebensaufgabe sah.

Wie sehr er sich als „Lehrlingsvater“ verstand, zeigt seine Vorstellung von der Leitung eines Heimes, die er durch sein Charisma auch ganz umsetzen konnte:
„ Der Heimleiter muß die Welt der Jugendlichen kennen, die Bedingungen ihrer Arbeitsstellen, ihre Interessen, ihren Jargon, ihre Hobbys und ihre Musik; … muß Konsequenz mit Güte und Diplomatie verbinden; muß Geduld haben, um in sokratischer Methode mit dem Jugendlichen in das Gespräch, auf eine Wellenlänge zu kommen, ihn wie ein Beichtvater anzuhören, um das Pflänzchen des guten Willens sich entwickeln zu lassen; muß von Soll-und Haben-Buchung genau so Bescheid wissen, wie von Kalorien und Vitaminen im Kochtopf, von Anginas und Knochenbrüchen, von streikenden Küchenmaschinen und Heizung;…muß viele persönliche Ansprüche, besonders auf begrenzte Arbeitszeit zurückstellen: bereit sein zu mancher nächtlichen Stunde des Nikodemus-Gesprächs, des Samariterdienstes am Krankenbett, des väterlichen Wartens auf den verlorenen Sohn.“

Msgr. Bleyer verstand es, tätige Nächstenliebe nicht nur selbst vorzuleben, sondern auch institutionell zu verankern. Zahlreiche Einrichtungen gingen auf seine Initiative zurück: Jugendheime in München, Landshut, Straubing und Rosenheim; Behinderteneinrichtungen in Marquartstein und Kirchseeon, sowie Gemeinschaftswerke für Jugendliche und
Spätaussiedler aus der DDR. Bleyer leistete auch einen Beitrag zur Gründung der Katholischen Stiftungsfachhochschule München (KSFH): An der Sozialen und Caritativen Frauenschule München fand auf seine Anregung hin 1959 erstmals auch eine Grundlehrgang für Männer statt. Dieser wurde dann in die „Wohlfahrtschule für Männer“ umgewandelt. Zusammen mit drei weiteren Höheren Fachschulen wurde daraus 1971 die KSFH gegründet.
Für sein Engagement in der Jugendsozialhilfe bekam Msgr. Bleyer auch zahlreiche Ehrungen, darunter das Bundesverdienstkreuz und den Silbernen Brotteller der Caritas. In Erinnerung an den Priester und „Pionier der berufsbezogenen Jugendhilfe“ wurde 1996 das renovierte Behindertenzentrum München-West in „Monsignore-Bleyer-Haus“ umbenannt.
Prof. Dr. Michael Schmaus – ein Vordenker und Reformer der Katholischen Dogmatik

Als Michael Schmaus 1993 im biblischen Alter von 96 Jahren in Gauting bei München stirbt, ist klar: Hier tritt ein Großer von der Bühne der akademischen Theologie ab. Was für ein prominenter Schülerkreis: Josef Ratzinger, Leo Scheffczyk, Friedrich Wetter! Was für akademische Institutionen: das Handbuch für Dogmengeschichte, das er zusammen mit Alois Grillmeier begründet und herausgegeben hat; die Münchener Theologische Zeitschrift und das Grabmann-Institut an der Theologischen Fakultät der LMU München gehen auf ihn zurück! Und was für ein Werk aus seiner eigenen Feder: die „Psychologische Trinitätslehre des Hl. Augustinus“, die „Katholische Dogmatik“ und der „Glaube der Kirche“! – Und doch, wie blass ist sein Bild bei der heutigen Generation von Studenten! Woran mag das liegen?

Kurz die Stationen seines Lebens: Gebürtig aus einer Bauersfamilie nahe Donauwörth kommt er ans Gymnasium nach Rosenheim, studiert in München und wird 1922 in Freising zum Priester geweiht. Er promoviert bei Michael Grabmann über Augustinus und habilitiert sich mit einer Arbeit zu Thomas von Aquin und Duns Scotus. Von Anfang an ist er auch schon Lehrer, zuerst im Freisinger Priesterseminar, dann an der Münchener Fakultät. Professorenstellen führen ihn nach Prag (1929-33) und nach Münster (1933-46). Man holt ihn nach dem Krieg nach München, um den Wiederaufbau der Theologischen Fakultät und der Universität voranzubringen. Diesen Beitrag leistet er neben der ordentlichen Lehrtätigkeit mehrmals als Dekan und 1951/52 sogar als Rektor der Universität. Mit dem Ende des II. Vatikanischen Konzils, für das er als Theologe tätig war („peritus“), steht 1965 auch seine Emeritierung als Professor in München an. In Gastprofessuren und Vorträgen setzt er seine Laufbahn, kirchlich hoch geehrt als Apostolischer Protonotar, fort bis ins hohe Alter.

So unbekümmert, fast respektlos, wie es der jungen Generation wohl zusteht, nähern sich die Studenten der kleinen Arbeitsgruppe, die Schmaus im Rahmen des Priesterjahrs präsentiert, dieser prominenten Figur. Einer sticht direkt hinein in die dunklen Jahre der beginnenden Nazizeit und bringt aus dem Zusammenhang von Schmaus’ „Begegnungen zwischen katholischem Christentum und nationalsozialistischer Weltanschauung“ einige Äußerungen ans Licht, die für heutige Ohren unerträglich klingen. Hat sich Schmaus davon eigentlich jemals ausdrücklich distanziert? Wäre das von ihm zu verlangen gewesen? Dürfen wir heute darüber urteilen? Anders urteilen als die Nachkriegsgeneration, die ihm hohe Ämter anvertraut und hohe Anerkennung zugebilligt hat?

Ein anderes Thema, das wir an Schmaus vertiefen, ist seine Theologie des Laien in der Kirche. Das Innovative seiner Dogmatik, ein Durchbruch zu einer neuen Verständlichkeit der Glaubenslehre, nicht mehr der Fachjargon der lateinischen Tradition, sondern eine auf den Menschen hin gesprochene Darlegung des Glaubens („Dogmatik muss so sein, dass der Mensch auch spürt: Hier geht es um sein Heil“), spiegelt sich im Innovativen seiner Wissenschaftspolitik: Er führt schon in den 50ger Jahren die ersten Nichtpriester und Frauen zur theologischen Promotion. Und es bündelt sich in seinen Gedanken zur Stellung des Laien im Anschluss an das Konzil. Dazu lesen wir einige Passagen Schmaus im Original. Doch schlägt auch hier noch einmal der Eindruck der vorangegangenen Diskussion durch: Steckt hinter diesem Engagement für die Stellung des Laien etwa noch das schlechte Gewissen, früher einmal in Sachen Führerprinzip einen argen politischen Fehlgriff begangen zu haben?

Mitten in der intensiven Auseinandersetzung mit Schmaus fällt plötzlich auf, dass wir über sein Priestersein gar nicht gesprochen haben. Wirft diese Persönlichkeit überhaupt einen Ertrag für das „Priesterjahr“ ab? Fast scheint es, dass es für Schmaus’ Leben und Wirken unerheblich war, dass er einmal zum Priester geweiht worden ist. Womöglich ist aber umgekehrt genau das der Ertrag für unsere Besinnung im Priesterjahr: Priesterliches Wirken ist sehr viel breiter möglich und lässt Raum für sehr viel mehr persönliches Charisma als nur der sakramentale Dienst im engeren Sinn. Nicht jeder im Presbyterium muss wissenschaftlicher Theologe sein, aber einzelne muss es darin geben, die kraftvoll, innovativ und in umfassend kirchlicher Verantwortung Theologie betreiben. Jeder einzelne Priester soll Theologe bleiben und mit dem wissenschaftlichen Diskurs und Niveau in Verbindung bleiben. Und jeder einzelne wird, verbunden im Presbyterium über eine tägliche Ration des gemeinsamen priesterlichen Tuns (Eucharistie und Stundengebet), zusehen, wo sein persönliches Charisma liegt, das er in die konkrete Ausgestaltung seines priesterlichen Dienstes einbringen kann. (FJB)