von Korbinian Stegmeyer

Den Rubikon überschreiten: Thematisches Hauswochenende am 11.11.

„Ebenso gibt es andere: Sie wollen zuerst Pfründe haben und danach Gott in ihnen dienen. Diese gehen also nicht geradeaus zu Gott, sondern sie wollen, dass Gott geradeaus zu ihren ungeordneten Abhängigkeiten kommt.“ Mit diesen Worten beschreibt Ignatius von Loyola (1491-1556) eine mögliche Fehlhaltung bei angehenden Priestern seiner Zeit. Auch wenn sich die Zeiten seitdem in verschiedener Hinsicht geändert haben, ist es auch heute für Seminaristen gut, sich bewusst mit der Haltung auseinanderzusetzen, mit der sie an die Entscheidung „Priesterweihe: ja oder nein?“ herangehen. Wer ins Priesterseminar eingetreten ist, hat sich zwar entschlossen, diese Frage zu prüfen, muss sie im Durchschnitt aber erst sechs bis sieben Jahre später endgültig entscheiden, wenn die Diakonenweihe heranrückt.

Deshalb war es gut, dass sich das thematische Hauswochenende des Wintersemesters 2017/18 mit dem Prozess der Entscheidung beschäftigte. P. Johannes Stoffers SJ brachte uns am späten Vormittag des vergangenen Samstags nahe, welche Hilfestellungen das Exerzitienbuch des Ignatius für eine geistliche Entscheidung bereithält – z.B. mit dem oben angeführten Zitat, nachdem das Ziel der Ehre Gottes nicht mit Schritten zu diesem Ziel hin vertauscht werden darf.

Genau genommen findet die Entscheidung zum Empfang der Priesterweihe nicht an einem Punkt der Seminarzeit statt, sondern konkretisiert sich in Entscheidungen zu den einzelnen Schritten der Ausbildung. Für einen reflektierten Umgang mit solchen Etappenentscheidungen gab der vorangegangene Vortrag von Prof. Dr. Johannes Bach Anregungen. Der Psychologieprofessor und Theologe sprach u.a. über verschiedene Schritte, die ein guter Entscheidungsprozess beinhalten sollte. Als besonders interessant für uns Seminaristen stellte sich in der nachmittäglichen Diskussion das von ihm erwähnte Rubikon-Modell heraus: In jedem Entscheidungsprozess kommt der Einzelne an einen Punkt, an dem er sich einer der Alternativen verpflichtet. Von da an prüft er Gegenargumente nicht mehr objektiv. Gerade bei Lebensentscheidungen ist es wichtig, sich nicht zu früh zu versteifen; wer den Rubikon jedoch zu langsam durchwatet, kann sich gar nicht entscheiden.

Bitte beten Sie sowohl für die Seminaristen als auch für die Hausleitung um den Heiligen Geist, dass wir in der Lage sind gut zu entscheiden!