von Felix Wegmann

Seminarfahrt nach Paris

Voilà, l‘église parisienne!

Alle zwei Jahre begibt sich das Münchner Priesterseminar auf eine Seminarfahrt in die große weite Welt. Nach den letzten Fahrten nach Rom und Indien besuchte die Hauskommunität dieses Mal die französische Hauptstadt, um eine Kirche kennenzulernen, die möglicherweise der deutschen Kirche Impulse geben kann. 

Viele Unterschiede wurden uns schon im Vorfeld angekündigt. In Frankreich gibt es keine Kirchensteuer und keine vergleichbaren Priesterseminare und zwischen Kirche und Staat herrscht zuweilen Funkstille. Zudem tragen wir Laien eine wesentlich größere Verantwortung, da viele Aufgaben in den Pfarreien von Ehrenamtlichen übernommen werden.

Nach einer rasanten Fahrt mit dem TGV erreichten wir die französische Hauptstadt und besuchten sogleich am Nachmittag unseres ersten Tages die Kathedrale von Saint-Denis, in der wahrlich Geschichte begraben liegt. Unter anderem befinden sich dort die Grabstätten von Marie Antoinette und des Sonnenkönigs Louis XIV. Heute liegt die Kathedrale in einem eher abgelegenen Stadtteil von Paris und wird von Touristenströmen leider genauso wenig heimgesucht wie von Gläubigen.

In den folgenden Tagen unserer Reise trafen wir uns zunächst mit den Benediktinerinnen von Sacre Coeur, die zugleich unsere Gastgeberinnen waren. Sie erzählten uns von der Geschichte der Basilika und der Ewigen Anbetung, die dort seit nunmehr 125 Jahren als Sühne für die Verbrechen während des deutsch-französischen Krieges gehalten wird.

Darüber hinaus trafen wir den Pariser Erzbischof André Vingt-Trois, der uns die Situation der französischen Kirche sowie die Unterschiede zwischen dem Ballungsraum Paris und den ländlichen Regionen näher brachte. Das Gehörte durften wir dann auch in der praktischen Arbeit der Einsatzpfarrei unseres Mitbruders Gregor Schweizer erleben, der zurzeit in Paris sein Theologiestudium beendet. Der dortige Pfarrer erläuterte uns, was die Gesamtsituation für eine einzelne Pfarrei bedeutet und, dass trotzdem so einiges daraus gemacht werden kann. Dies zeigt sich vor allem in einer Vielzahl von lebendigen Gruppen, die fast ausschließlich aus Freiwilligen bestehen und sich in verschiedenen Bereichen der Pfarrei, wie bspw. der Armenspeisung oder Gottesdienstgestaltung, einbringen. Sich um diese Gruppen zu sorgen und sie zu koordinieren ist eine der Hauptaufgaben des Pfarrers Philippe Christory.

Ein Highlight unserer Seminarfahrt war der Besuch unserer Partnerdiözese Évry. Nach einem Mittagessen, zu dem uns Bischof Michel Dubost überraschend eingeladen hat, besichtigten wir die moderne Kathedrale, die der einzige Kathedralneubau Frankreichs im 20. Jahrhundert war und praktischerweise unserem Bistumspatron, dem Hl. Korbinian, geweiht ist. Auch deshalb ließ es sich unser werter Herr Regens nicht nehmen, der dortigen Orgel eine fulminante Improvisation über das Korbinianslied zu entlocken.

Große Freude bereitete uns auch das gemeinsame Abendessen mit den Pariser Seminaristen, deren Ausbildungsort, das Collège des Bernardins wir schon am Vortag besichtigen durften. Die rund 70 Seminaristen von Paris leben in acht verschiedenen Häusern und arbeiten in den dortigen Pfarreien mit. Neugierig tauschten wir uns über die jeweiligen Ausbildungssysteme und Vorstellungen aus, die sich im Kern gar nicht so stark voneinander unterscheiden.

Am letzten Tag unserer Reise besuchten wir die Diözese Ivry (Obacht, Verwechslungsgefahr mit Évry!), um die dortige Gedenkstätte von Madeleine Delbrêl zu besichtigen. Die französische Schriftstellerin und katholische Mystikerin zog absichtlich in die noch heute kommunistisch regierte Stadt, um dort missionarisch tätig zu sein. Dieses Wirken ist noch heute spürbar, weshalb auch von Teilen der Bevölkerung ein Seligsprechungsverfahren angestrebt wird.

Mit einer ebenso rasanten Fahrt im TGV reisten wir mit interessanten Eindrücken und positiven Erinnerungen zurück in die Heimat. Zum Abschied erhielt unsere Hausleitung jeweils noch eine Baskenmütze, eine Flasche Wein und einen Camembert von den Seminaristen, um auch für die nächste ‚voyage à paris‘ gestärkt zu sein.

Zum Abschluss sagen wir deshalb ein herzliches ‚merci beaucoup‘ allen Organisatoren und Förderern unserer Seminarfahrt und bleiben mit unseren französischen Brüdern und Schwestern im Gebet verbunden. À bientôt Paris!